09.02.2008 (sts)
Skandinavien hat sich in den vergangenen Jahren zu einem wahren Eldorado für talentierte Rock- und Popmusiker entwickelt. Bands wie "Turbonegro", "The Hives", "The Hellacopters" oder "Eskobar" feierten ab Mitte der 90er Jahre weltweit große Erfolge. Vom Bekanntheitsgrad her stehen "Minor Majority" noch nicht auf einer Ebene mit ihnen, vom musikalischen Können her aber zweifellos. Das bewiesen die sechs Norweger am Freitag (8. Februar) im ausverkauften
Kulturladen KFZ.
"I would like to tell you, we have a lot of new stuff. But the truth is, we have a lot of old stuff", machte Sänger Pål Angelskår gleich mal Anti-Werbung in eigener Sache. Wenngleich die sechs Norweger also keine neuen Songs präsentierten, so haben sie seit ihrer Gründung im Jahr 2000 aber auch schon fünf Alben veröffentlicht und somit reichlich Material für ihren über zweistündigen Auftritt beisammen gehabt. Der tollen Stimmung im KFZ tat es auch überhaupt keinen Abbruch, dass "Minor Majority" noch einmal viele Titel seines Debüt-Albums "Walking Home From Nicole’s" und des Nachfolgers "If I Told You, You Were Beautiful" spielten.
"Minor Majority schmilzt in den Ohren und nicht in der Hand", schrieb der Musik-Journalist Frank Keil einmal in Anlehnung an einen Werbespruch zu glasierten Erdnüssen. Die Band macht Musik zum schwelgen, zum träumen, zum Sich-Fallen-Lassen, zum Zeit vergessen.
Angelskårs traurig-melancholische Stimme bahnt sich über die Ohren den Weg zum Herzen. Vor Ergriffenheit vergisst man am Ende der Songs sogar, zu klatschen.
Gerade in den reinen Instrumentalparts schafft es "Minor Majority" dann aber auch mit seinem druckvollen Gitarren-Sound, die Köpfe der Zuschauer zum Nicken zu bringen. Seine Cover-Version von dem frühen Pet Shop-Boys-Hit "West End Girls" stellt das Original regelrecht in den Schatten.
Auf der Homepage des Platten-Labels "Indigo" ist zu lesen, dass die Musik dieser Band zu schön sei, um massentauglich sein zu können. Doch wie der Band-Name schon andeutet, steht die kleinere Mehrheit voll dahinter.
Stephan Sonntag
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