17.12.2008 (fjh)
Studentische Hilfskräfte sollen an der
Philipps-Universität besser bezahlt und über Arbeitnehmer-Rechte informiert werden. Einen entsprechenden Antrag hat der Senat der Universität am Dienstag (16. Dezember) einstimmig verabschiedet.
Damit reagierte das höchste Beschluss-Gremium der Hochschule auf einen Teil der Forderungen, die studentische und wissenschaftliche Hilfskräfte in einer Vollversammlung aufgestellt hatten. Eine Stellungnahme des Senats zu längeren Vertragslaufzeiten steht indes noch aus.
Das Präsidium der Universität äußerte sich während der Sitzung nicht dazu, ob es den Beschluss des Senats umsetzen wird. "Wir gehen aber davon aus, dass das Präsidium das höchste Gremium der Hochschule nicht mutwillig übergeht", erklärte eines der drei studentischen Senatsmitglieder.
Studentische Hilfskräfte aus "alten" - nicht nach dem Bachelor-Master-System gestuften - Studiengängen wie Jura, Medizin, Lehramt und Theologie sollen künftig ab dem 3. Semester nach bestandener Zwischenprüfung mehr Lohn erhalten. In Studiengängen ohne Zwischenprüfung wird die Bezahlung ab dem 7. Semester erhöht. Damit soll der Mißstand beseitigt werden, dass studentische Hilfskräfte für die gleiche Arbeit ungleich bezahlt werden. Analog zu studentischen Hilfskräften mit Bachelor-Abschluss sollen sie 10 Euro statt bisher 8,50 erhalten.
"Eine studentische Hilfskraft ohne Abschluss, die Arbeiten Korrektur liest oder Tutorien leitet, erbringt die gleiche Leistung wie eine Hilfskraft mit Abschluss, die dasselbe tut. Es gilt daher: gleicher Lohn für gleiche Arbeit! Wir freuen uns, dass der Senat uns unterstützt und die bestehende Ungleich-Behandlung abstellen will", freut sich Stefan Schulte. Die studentische Hilfskraft am Centrum für Nah- und Mittelost-Studien befürchtet aber, dass den Hilfskräften im Gegenzug die Stunden-Kontingente gesenkt werden.
"dies wäre weder im Sinne der Hilfskräfte, noch im Sinne der Universität. Hilfskräfte stemmen schon jetzt weite Teile des Hochschulbetriebs", erklärte er. Das gelte sowohl für die Bibliotheken, das Hochschul-Rechenzentrum(HRZ), die Verwaltung oder am Kopierer.
Eine Informationsbroschüre für alle studentischen Hilfskräfte soll noch im laufenden Wintersemester erscheinen. Die Hilfskräfte hatten einen eklatanten Mangel an Informationen über Urlaubsanspruch und Lohnfortzahlung im Krankheitsfall einerseits sowie über die für sie zuständigen Stellen an der Universität andererseits beklagt.
Die Hochschul-Leitung ist als Arbeitgeberin aber verpflichtet, darüber zu informieren. Das hatte sie auch schon mehrmals zugesagt, bislang aber ohne Ergebnis.
"Auch der Senat hat sich gegen den herrschenden Mangel an Transparenz ausgesprochen. Jeder studentischen und wissenschaftlichen Hilfskraft sollte außerdem eine Kopie des Arbeitsvertrags ausgehändigt werden. Derzeit ist das eher die Ausnahme", berichtete Schulte.
Kontrovers diskutiert wurde der Teil des Antrags, der längere Vertragslaufzeiten für Hilfskräfte - in der Regel vier Semester - vorsieht. Derzeit werden viele Verträge für maximal ein Semester oder wenige Monate abgeschlossen. Ein Drittel aller Studierenden ist aber auf einen Nebenverdienst dringend angewiesen.
Für wissenschaftliche Hilfskräfte, die neben ihrer Tätigkeit an der eigenen Promotion arbeiten, trifft das umso mehr zu. "Niedriger Lohn - kombiniert mit extrem kurzen Vertragslaufzeiten - führt Hilfskräfte in prekäre Beschäftigungsverhältnisse. Was wir stattdessen brauchen, ist Planungssicherheit", weiß Imke Dzewas. Die wissenschaftliche Hilfskraft am Fachbereich Gesellschaftswissenschaften und Philosophie verdeutlicht: "Längerfristige Beschäftigung lohnt sich für alle Beteiligten zum Beispiel durch weniger Einarbeitungszeit und bessere Arbeitsergebnisse. Einen Qualitätsverlust der Arbeit in Lehre und Forschung darf die Philipps-Universität nicht leichtsinnig riskieren."
Auch Studierende mit Kind müssen an der Philipps-Universität als familiengerechter Hochschule berücksichtigt werden. Gerade sie können kurzfristige Beschäftigung, Studium und Familie aber nicht miteinander vereinbaren.
pm: AStA Marburg
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