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Schule des Hinsehens


Vernissage zur Foto-Ausstellung "Lahnufer"

02.02.2008 (jnl)
Warum denn in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah? Mit diesem Wahlspruch unternahm der 25-jährige Benjamin Nauleau zahlreiche Streifzüge in die nähere Umgebung Marburgs. Die besten 25 Aufnahmen wurden bei der Ausstellungs-Eröffnung am Freitag (1. Februar) im Rotkehlchen vorgestellt.
In vier Oberthemen hatte der junge Franzose die Exponate gegliedert. Gleich neben dem Eingang hing die formal strengste Abteilung "Linien".
Wie der Name nahelegt, hat der Künstler hier der Schönheit der Kulturlandschaft mit ihren zahlreichen linearen Strukturen nachgespürt.
Die zweite Abteilung an der rückwärtigen Wand des Parterres war eher stimmungsgesättigt. Gezeigt wurden einzelne menschliche Benutzer der Lahnwege inmitten der ungleich größeren Wucht des Panoramas. Leider geriet Nauleau hier doch etwas in die Gefahr, dass solche Fotos nahezu jedermann macht und deshalb für keine Kunst hält.
Die dritte Abteilung heißt "Ineinander". Sie war eine Sequenz von Bildern mit permanentem Zoom vom Größten zum Kleinsten. Gerade hier finden sich besonders reizvolle Aufnahmen. Um sie zu sehen, musste man die Wendeltreppe hinaufsteigen und schaute dann schon direkt auf die Bilder.
Auch die vierte Abteilung war von der Galerie aus zugänglich. Sie heißt "Gen Himmel". Das ist eine leider etwas schlappe Übersetzung des französischen Originaltitels "Entre ciel et sol" (Zwischen Himmel und Erde).
Bei den Fotos handelte es sich um lauter Vertikalen in der Natur. Das kann je nach geschickter Wahl des Auschnitts ein Baum-Ensemble oder ein Getreidehalm sein. Bekanntlich stieg in dem Märchen Hans und die Bohnenranke der Held über die Bohnen in eine andere Welt.
Benjamin Nauleau hat es vor einem Jahr der Liebe wegen nach Marburg verschlagen. Seine ausgeprägte Nähe zur Natur führt er selber zurück auf sein Aufwachsen im ländlichen Ambiente. Er hat aus dem gleichen Grund acht Semester Naturschutz absolviert.
Während seines Marburger Lebensabschnitts hat er nun auf eine Fotografen-Existenz umgesattelt. Derzeit ist er Assistent bei dem Werbefotografen David Maurer. Mit seiner Debüt-Ausstellung hat er erfolgreich neues Terrain betreten. Bei der Wahl seiner Motive wird er sich aber noch deutlicher auf originelle Blickwinkelkonzentrieren müssen, um sich klarer von der Allerwelts-Fotografie abzugrenzen.
Jürgen Neitzel
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