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Nicht erwachsen


Uschmanns leicht verunglückte Vorstellung

01.02.2008 (jnl)
Wie geht es zu in den Eigen-Welten der heutigen Jung-Erwachsenen? Vergnügliche Antworten darauf versprach der Auftritt Oliver Uschmanns am Donnerstag (31. Januar) im Kulturladen KFZ.
Der 30-Jährige war das erste Mal in Marburg. Er präsentierte sein drittes "Hartmut-und-Ich"-Buch. Es ist 2007 unter dem Titel "Wandelgermanen" erschienen.
Für eine Autorenlesung bot Uschmanns Bühnenbild eine nie zuvor dagewesene Optik. Der "Wort-Guru" kam barfüßig und versenkte seine Füße für die Dauer der Vorstellung in einem mit Wasser gefüllten Bottich. Hinter ihm war eine große Beamer-Leinwand aufgespannt. Rechts auf der Bühne lag ein relativ umfangreicher Posten an Büchern und Fan-Artikeln.
Uschmann ist kein traditioneller "lesender" Autor, sondern er denkt unternehmerisch. Die Fan-Aufkleber und -Hosenträger zeigen, dass der freie Schriftsteller und Kolumnist in seiner Zielgruppe einen gewissen "Kult-Status" genießt.
Tatsächlich gilt seine Reihe "Hartmut und Ich" zwar als "trashig", doch sie verkauft sich bestens. Indes blieb der Publikumsandrang mit rund 30 Leuten spärlich. Vielleicht lag es daran, dass zum Semester-Ende einfach zu viele Prüfungen anstanden.
Der Erfolgsautor tat sich sichtlich schwer mit den leeren Zuschauer-Rängen. Statt mit überzeugenden Passagen aus dem Buch füllte er die Zeit ausschweifend mit Drumherum-Gerede.
Seine digitale Dia-Show über die "Lesereise auf blanken Füßen" nahm breiten Raum ein. Dazu lieferte Uschmann einen frei improvisierten Kommentar im Comedian-Stil. Teilweise waren das Witzchen vom Schlage "Wenn man dann Steuern zahlen muss, wird man FDP-Wähler. Aber nein, das darf man doch nicht sagen!"
Sein Buch "Wandelgermanen" handelt vom Umzug der "Hartmut-und-Ich"-Kumpel in ein Haus auf dem Land. Da es billig sein muss, hat es eine extrem schlechte Bausubstanz. Aus jedem Malheur, das sich daraus ergibt, baut Uschmann eine boshafte Spitze. Meistens läuft das auf Lachen aus Schadenfreude hinaus.
Die Nachbarn erweisen sich als seltsam. Nicht nur schwärmen sie von mythischen Germanen, sondern sie sind eine Vereinigung von überzeugten Barfuß-Läufern. Und "natürlich" halten sie sich an keine vorgegebenen Wege. Wer zu ihnen gehört, der geht fortan querfeldein.
Eine interessante These Uschmanns verdient, festgehalten zu werden. "Wenn man barfuß durch den Wald wandert, dann laufen die Wildtiere nicht weg", behauptete er. Aufgrund der überragenden Bedeutung des Geruchsinns der meisten Tiere stimmt das wohl eher nicht.
Spätestens an dieser Stelle wurde klar, warum sich Uschmann vorübergehend in der "Masche" des Barfuß-Läufers präsentierte. Wer im literarischen Überangebot der Gegenwart noch auffallen will, muss zu ausgefallenen Mitteln greifen.
Aus der Lektüre seiner Erzählungen gewinnt man den Eindruck, dass dieser Autor durchaus amüsant zu schreiben versteht. Bedauerlicherweise hat Uschmann das bei diesem Gastspiel in Marburg aber nicht überzeugend auf die Bühne gebracht.
Jürgen Neitzel
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