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Nicht entschieden


Hillary spaltet, Obama versöhnt

01.02.2008 (sts)
"Ich hoffe, sie glauben nicht, dass Barack Obama hier heute persönlich erscheint", sagte Christoph von Marschall angesichts der rund 100 Anwesenden im Historischen Saal des Rathauses. Der promovierte Journalist und USA-Korrespondent des Berliner Tagesspiegel stellte am Donnerstag (31. Januar) sein Buch "Barack Obama – Der schwarze Kennedy" vor.
Die Lesung verknüpfte er mit einem kurzweiligen Vortrag über die amerikanische Politik im Allgemeinen und die Präsidentschafts-Vorwahlen im Speziellen.
Die am 4. November 2008 stattfindenden Präsidentschaftswahlen seien dieses Mal außergewöhnlich. Zum ersten Mal seit 1928 bestehe eine "Open-Seat"-Situation. Weder der amtierende Präsident, noch der Vizepräsident träten bei den Wahlen an.
Daher erkläre sich die große Zahl der Bewerber. Zehn kandidieren auf Seiten der Republikaner und acht auf Seiten der Demokraten.
Von den derzeit noch sieben Kandidaten hätten allenfalls noch vier eine reelle Chance: die Republikaner John McCain und Mitt Romney sowie die Demokraten Hillary Clinton und eben Barack Obama.
"Die USA wünschen sich eigentlich einen Präsidenten Hillary Obama, oder vielleicht besser noch Billary Obama", sagte von Marschall in Anspielung auf den großen Einfluss von Ex-Präsident Bill Clinton auf den Wahlkampf seiner Frau.
Der 46-jährige Obama sei ein "relativer Newcomer" auf der nationalen politischen Ebene. Seine außergewöhnliche Biografie erinnere an die Ideale des "Amerikanischen Traums", dass jedes Individuum durch harte Arbeit seine Ziele erreichen könne.
"Im Gegensatz zu Hillary Clinton besitzt Obama ein hohes Maß an interkultureller und interkonfessioneller Kompetenz", erklärte von Marschall. Als Sohn eines kenianischen Studenten und einer amerikanischen Mutter aus dem Mittleren Westen wurde Obama auf Hawaii geboren. Nach der Scheidung der Eltern heiratete die Mutter einen Indonesier und zog mit ihrem Sohn für vier Jahre nach Jakarta.
1971 kehrte Obama nach Hawaii zurück. Er studierte in Los Angeles, New York und später in Harvard. Dort wurde er als erster Afro-Amerikaner Präsident der Fachzeitschrift "Harald Law Review", was ihm landesweite Aufmerksamkeit bescherte.
Mit einer beeindruckenden Grundsatzrede bei der - alle vier Jahre stattfindenden - Versammlung der Demokratischen Partei spielte sich der mittlerweile zum Senator von Illinois gewählte Obama 2004 in die erste Riege der amerikanischen Politiker.
"Obama ist ein Menschenfischer. Er fasziniert die Menschen mit seinem Idealismus, seiner Hoffnung und seinem Versöhnungswillen", analysierte von Marschall. Seine Reden glichen oftmals Predigten. Bei seinen Auftritten biete er eine große Projektionsfläche für die Wünsche und Sehnsüchte der Menschen. Das seien seine großen Vorteile gegenüber Hillary Clinton, die eher einen nüchterneren Stil bevorzuge.
Obama könne aber sowohl seine mangelnde Erfahrung sowie seine außergewöhnliche Biografie noch zum Verhängnis werden. "Allein die Ähnlichkeit seines Namens mit Osama bin Laden und sein zweiter Vorname Hussein werden in der schmutzigen Phase des Wahlkampfs mit Sicherheit noch eine Rolle spielen", prophezeite von Marschall.
Es sei auch noch keineswegs sicher, dass am Ende ein Demokrat ins Weiße Haus ziehe: "Alles ist offen. Da ist noch nichts gelaufen. Ich bin selbst gespannt, wie es ausgeht."
Stephan Sonntag
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