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Am Heumarkt


Sechs Stolpersteine für Familie Meyer und Rosenberg

05.12.2016 (fjh)
Sechs Stolpersteine gegen das Vergessen sind am Mittwoch (30. November) auf dem Heumarkt verlegt worden. Sie erinnern an sechs Menschen, die in den Konzentrations- und Vernichtungslagern der Nationalsozialisten ermordet wurden.
"Das ist eine Art des Gedenkens, die sehr konkret und ganz sichtbar ist", sagte Stadträtin Dr. Kerstin Weinbach. Es sei wichtig, das Bewusstsein dafür aufrechtzuerhalten, was diesen sechs Marburger Bürgerinnen und Bürgern angetan wurde.
Vier Steine vor der Sparkasse waren für die Bauarbeiten in der Barfüßerstraße herausgenommen worden. Bisher erinnerten sie an dieser Stelle an die Familie Estella, Alfred, Walter und Ruth Rosenberg. Nun kommen Gedenksteine für den Vater von Estella Rosenberg Samuel Meyer und ihre Stiefmutter Elise Meyer hinzu.
Mit dem Projekt "Stolpersteine" wird bundesweit an das Schicksal der Menschen erinnert, die in der NS-Zeit verfolgt, ermordet, deportiert oder vertrieben wurden. "Im März 2006 haben wir an dieser Stelle die ersten Stolpersteine in Marburg verlegt", erinnerte Barbara Wagner vom Arbeitskreis Stolpersteine der Marburger Geschichtswerkstatt. Da inzwischen neue Erkenntnisse über das Schicksal der Familie vorliegen, wurden nun zwei weitere hinzugefügt.
Samuel Meyer aus Weener in Ostfriesland war 1893 als Schwiegersohn und Teilhaber in das Marburger Textil- und Stoffgeschäft "M. Eichelberg's Nachfolger" eingetreten, das Menke Eichelberg als alteingesessener Marburger 1865 in der Barfüßerstraße 42 gegründet hatte. Meyer war mit dessen Tochter Bertha Eichelberg verheiratet. 1899 zog das Geschäft in das Haus Barfüßerstraße 50 um.
Bertha Meyer starb im Jahr 1904. Die gemeinsame Tochter Estella war beim Tod ihrer Mutter erst neun Jahre alt. Meyer heiratete in zweiter Ehe Elise Klein aus Rheydt.
1920 feierten Estella Meyer und Alfred Rosenberg ihre Hochzeit. In guter Tradition trat wiederum der Schwiegersohn in das Geschäft ein. Er war am 10. September 1888 in Münster in Westfalen zur Welt gekommen.
Einen Teil seiner Kindheit verbrachte er aber in Weener. In Höxter absolvierte er auf dem König-Wilhelm-Gymnasium die Mittlere Reife und erlernte dann wahrscheinlich den Kaufmannsberuf. Sein Vater führte einen Pferdehandel in Münster.
Die ältere Generation - die Familie Meyer - lebte im ersten Stock des Hauses. Familie Rosenberg lebte als die jüngere Generation im zweiten Stock.
Die Rosenbergs hatten zwei Kinder: Ruth Beate wurde am 2. Dezember 1922 geboren. Walter Martin wurde geboren am 6. Dezember 1929.
Das Geschäft führte unter anderem Damen-, Herren-und Kinderbekleidung, Bettwäsche sowie Tischdecken. Im Zuge der Pogromnacht vom 9. auf den 10.November 1938 wurde Alfred Rosenberg in Marburg verhaftet und in das KZ Buchenwald verschleppt.
Am 14. Oktober 1938 unterzeichnete sein Schwiegervater Samuel Meyer ein Schreiben, in dem er von der zwangsweisen Schließung seines Geschäfts unterrichtet wurde. Für das Warenlager war ein Wert von 3.189,50 Reichsmark festgesetzt worden. Das Inventar wurde für 360,45 Reichsmark verkauft.
Das Geld ging auf ein Sperrkonto. Das Haus musste im Juni 1939 für einen geringen Betrag von 39.300 Reichsmark ebenfalls zwangsweise an die Stadt Marburg verkauft werden. Es wurde 1960 abgerissen.
Die Familie Rosenberg lebte ab 1939 im "Ghettohaus" der Brüder Moses in der Barfüßerstraße 15b. Ein Versuch, nach Südamerika zu flüchten, schlug fehl.
Alfred Rosenberg musste nach seiner Entlassung aus dem KZ Buchenwald bei Straßenbauarbeiten in der Neuen Kasseler Straße und im Winter 1941 auf dem Friedhof Zwangsarbeit leisten. Der "Ehrenfriedhof" für die Soldaten des Krieges wurde bei diesen Arbeiten erweitert.
Die Familie wurde am 30. Mai 1942 zuerst nach Kassel und dann nach Lublin deportiert. Dort nahm man "arbeitsfähige" Männer aus dem Transport heraus und verschleppte sie in das KZ Majdanek.
Alfred Rosenberg wurde dort am 21. August 1942 ermordet. Die übrigen Familienmitglieder - Estella Rosenberg und ihre Kinder - wurden direkt nach der Ankunft im Vernichtungslager Sobibor am 3. Juni 1942 durch Motorgase ermordet.
Ihr Vater und ihre Stiefmutter zogen 1939 gezwungener Maßen in ein israelitisches Altenheim nach Rheydt um. Beide wurden am 25. Juli 1942 von Düsseldorf in das Ghetto Theresienstadt verschleppt. Von dort wurden sie am 21. September 1942 in das Vernichtungslager Treblinka transportiert und ermordet.
pm: Stadt Marburg
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