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Sesam, öffne Dich


Ali Baba und die 40 Räuber mit Hipphopp im EPH

27.11.2016 (fjh)
"Ali Baba und die 40 Räuber" ist ein bekannter Klassiker aus der Märchensammlung "1001 Nacht". Das diesjährige Weihnachtsmärchen des Hessischen Landestheaters Marburg erzählt die Geschichte von Raub, Reichtum und Recht allerdings auf unkonventionelle moderne Weise. Die Inszenierung von Annette Müller feierte am Samstag (26. November) Premiere im Erwin-Piscator-Haus (EPH).
Ali Baba ist der Sohn einer armen Näherin. Abends verdient er sich Geld in der benachbarten Kneipe und freundet sich dort mit der Tochter des Wirts an. Sirin und er beobachten eines Tages merkwürdige Gäste.
Im Fernsehen kommt abends ein Bericht über einen Überfall auf die Nationalbank. Wenig später beobachtet Ali die Räuber und folgt ihnen zu ihrem geheimen Versteck.
Regisseurin Annette Müller hat das Geschehen in die heutige Zeit verlegt. Zumindest am Anfang mag man deshalb kaum glauben, dass man in einem Weihnachtsmärchen für Kinder ab 5 Jahre sitzt. Immer wieder ertönt hämmernde Musik und untermalt das Geschehen lautstark.
Alis Bruder Kassim will Hipphopp-Star werden und übt eifrig dafür. Außerdem wünscht er sich eine Playstation 4. Alles wirkt eher wie Jugendtheater als wie ein Weihnachtsmärchen.
Doch spätestens, als Ali Baba die Zauberformel zum Öffnen des Höhlentors nachsprechen will, kommen die Kinder zu ihrem Recht. "Sesam, öffne Dich", zischt und raunt es von allen Seiten im Publikum. Auch sonst lachen und quieken die Kleinen, wenn die Schauspieler das Geschehen auf der Bühne mit Slapstick-Einlagen ausmalen.
so kommt die Inszenierung nicht nur zeitgemäß, sondern zugleich auch kind- und jugendgerecht daher. Trotzdem verzichtet sie weder auf den Kern des alten orientalischen Märchens noch auf dessen moralische Grundaussage: Reichtum ist ungerecht und sinnlos, wenn er durch Raub oder Diebstahl zusammengekommen ist.
Besonders Camil Morariu überzeugte bei der Umsetzung seiner Rolle. Während die Räuber die Höhle öffnen, versteckt Ali Baba sich im Publikum. Den Umsitzenden legt er seine Hand auf die Schulter und flüstert "Psst!"
Aber auch Julia Glasewald, Kristin Scheinhütte, Lisa-Marie Gerl, Maximilian Heckmann, Ogün Derendeli, Sindy Tscherrig, Thomas Huth und Yassin Amajout überzeugten das Publikum. Ein Weiteres taten Oda Zuschneid mit ihren choreografien und Michael Lohmann mit seiner Musik dazu.
Gelungen ist auch das moderne Ende, das nach den Schlussworten des Erzählers noch eine weitere Überraschung bereithält. So waren Kinder und Erwachsene am Ende begeistert von Ali Baba und den sechs Räuberinnen auf der Bühne des EPH.
Franz-Josef Hanke
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