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Gefördert


Millionenbeträge für Marburger Forschung

21.11.2016 (fjh)
Die interne Organisation von Bakterien und deren Dynamik steht im Fokus eines neuen hochschulübergreifenden Sonderforschungsbereichs (SFB/Transregio 174), für den sich Arbeitsgruppen aus Marburg, Gießen und München zusammengetan haben. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert das Konsortium mit 6,4 Millionen Euro. Sprecher des Verbunds mit dem Titel "Räumlich-zeitliche Dynamik von Bakterienzellen" ist der Mikrobiologe Prof. Dr. Martin Thanbichler von der Philipps-Universität.
Die DFG unterstützt außerdem weiterhin den bereits bestehenden Sonderforschungsbereich der Universitäten Marburg und Gießen zu RNA-Viren (SFB 1021). "Die Bewilligung des neuen Transregio-Sonderforschungsbereichs ist ein erneuter Beleg dafür, wie außerordentlich forschungsstark unsere Universitäten in der Mikrobiologie sind", erklärte Universitäts-Vizepräsident Prof. Dr. Michael Bölker, der auch der Steuerungsgruppe des kürzlich gegründeten Forschungscampus Mittelhessen angehört. "Es hat sich als richtig erwiesen, dass wir in den vergangenen Jahren konsequent auf die Stärkung einer molekular orientierten Zellforschung gesetzt haben."
Das Innenleben von Bakterien galt lange als ungeordnete Ansammlung von Enzymen und anderen Makromolekülen. "Zwar weiß man seit Jahrzehnten, dass Proteine gezielt auf bestimmte Bereiche innerhalb der Bakterienzelle wie etwa die Zellhülle oder das Zellinnere verteilt werden", legte Verbundsprecher Thanbichler dar; "aber innerhalb dieser Binnenräume sah man ihre Anordnung bis vor wenigen Jahren als weitgehend zufällig an. Dabei zeigen neue Ergebnisse, dass bakterielle Zellen viele ihrer Bestandteile mit außerordentlicher Präzision und in zeitlich variablen Mustern im dreidimensionalen Raum positionieren."+
Diese Binnengliederung steuert entscheidende zelluläre Prozesse wie etwa die Zellteilung und das Wachstum. Ihr Verständnis schafft daher wichtige Grundlagen für die Entwicklung neuer Antibiotika oder das Design künstlicher Bakterien für technische Anwendungen.
"Unser mangelndes Wissen war bislang vor allem eine Folge technischer Beschränkungen", erklärte Thanbichler. Dem soll das neue Konsortium abhelfen, wie Prof. Dr. Kirsten Jung von der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) erläuterte. Sie ist stellvertretende Sprecherin des Sonderforschungsbereichs.
"Jüngste Fortschritte in Mikroskopie und Bildgebungsverfahren eröffnen ganz neue Möglichkeiten, mit hoher Genauigkeit und im Detail darzustellen, wo sich Zellkomponenten befinden und wie sich deren Position über die Zeit verändert", berichtete sie. Der Sonderforschungsbereich führt sieben Arbeitsgruppen aus Marburg und eine aus Gießen mit acht Münchner Teams von der Ludwig-Maximilians-Universität, der Technischen Universität sowie dem Max-Planck-Institut für Biochemie zusammen. Sie treten an, um die Mechanismen aufzuklären, mit denen Moleküle in den Bakterienzellen verteilt werden.
Aus den experimentell ermittelten Daten sollen theoretische Modelle entwickelt werden, die zeigen, wie die Vielzahl miteinander interagierender Faktoren zu einer funktionalen Einheit integriert werden. "Um zu testen, ob wir das Zusammenwirken richtig verstanden haben, sollen ausgewählte Systeme dann nachgebaut werden", erläuterte Thanbichler.
Dafür greift der Verbund auf umfangreiches Know-how in der mikroskopischen Analyse lebender Zellen, in der Protein-Biochemie, in mathematischer Modellrechnung und synthetischer Biologie zurück, wie es etwa im Marburger "LOEWE-Zentrum für Synthetische Mikrobiologie" (Synmikro) aufgebaut worden ist. Thanbichler lehrt Mikrobiologie an der Philipps-Universität und gehört dem LOEWE-Zentrum "Synmikro" an. 2015 wurde er zum "Fellow" der Max-Planck-Gesellschaft berufen.
Neben dem neu eingerichteten Sonderforschungsbereich fördert die DFG weiterhin den bestehenden Verbund "RNA Viren: Metabolismus viraler RNA, Immunantwort der Wirtszellen und virale Pathogenese" (SFB 1021), der seit dem Jahr 2013 an den Universitäten in Marburg und Gießen angesiedelt ist. Das Konsortium, das vom Marburger Virologen Prof. Dr. Stephan Becker koordiniert wird, erhält 9,1 Millionen Euro für weitere vier Jahre.
Das Institut für Virologie der Philipps-Universität, das über eines der wenigen europäischen Laboratorien der höchsten Sicherheitsstufe verfügt, ist Partner im Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF). Die Marburger Virologie ist an einer Studie beteiligt, die erst kürzlich den Nachweis erbrachte, dass der Impfstoff "VSV-ZEBOV" gegen das Ebola-Virus wirkt. Eine bibliometrische Studie ergab jüngst, dass die Philipps-Universität in der Ebola-Forschung weltweit an der Spitze der Zitierungen pro Fachveröffentlichung liegt.
pm: Philipps-Universität Marburg
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