18.11.2016 (fjh)
Mit der lange angestrebten Erneuerung des Geschäftshauses Universitätsstraße 8 - dem ehemaligen "Allianz-Haus" - wird 2017 begonnen. In einer Bürgerinformationsveranstaltung im Stadtverordnetensitzungssaal hat Bürgermeister Dr. Franz Kahle zusammen mit der Werner Projektentwicklung GmbH die Pläne vorgestellt, nach denen spätestens Mitte 2019 die Räume bezugsfertig sein sollen. Der angestrebte Branchenmix wird dann eine positive Ergänzung zum Einzelhandel in der Oberstadt und dem Südviertel darstellen.
"Wir freuen uns, dass in dieser zentralen Lage im Herzen der Stadt die Aufenthaltsqualität für die Bürgerinnen und Bürger weiter verbessert wird", freute sich Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies. "Das ist ein starkes Signal für den Wirtschaftsstandort Marburg."
Bürgermeister Kahle erinnerte vor etwa 60 Interessierten an die CIMA-Studie zum Einzelhandel in der Universitätsstadt. Sie belege, dass Marburg derzeit Potenziale an Käufern mangels bestimmter Angebote verlorengehen.
"An diesem Standort kann demnach Einzelhandel ohne Schaden für die Oberstadt und mit dem Effekt entstehen, dass der wirtschaftliche Raum gestärkt wird", betonte Kahle. Positive Beispiele aus der Vergangenheit für eine solche Entwicklung seien etwa die Ansiedlung des Bekleidungsgeschäfts der Kette "H&M" und die Sanierung des Schlossberg-Centers an der oberen Gutenbergstraße. Beides habe bereits zu einer Belebung geführt.
"Das Gebäude ist in einem desolaten Zustand", beschrieb Kahle das ehemalige "Allianz-Haus. "Und wir sind als
Stadt Marburg froh, dass die Werner-Gruppe so starkes Interesse hat."
Als Geschäftsführer des Investors stellte Klaus Diegelmann die Pläne für das künftige Innenleben des Geschäftshauses vor. Davor berichtete Architekt Max Reith von den baulichen Vorstellungen, die moderner Stadtentwicklung Rechnung tragen und dem Ort einen urbanen Charakter verleihen sollen.
Wie Reith ausführte, werde das große Gebäude der Umgebungsarchitektur in allen drei angrenzenden Straßen mit dem Gefälle der Gutenbergstraße angepasst. "Es ist uns sehr wichtig, dass das Haus die Straßen bespielt", erläuterte Reith
die Umgebung bei den Planungen aufnehme.
Zur Universitätsstraße werde der Eingang mit Arkaden etwas vorgezogen, um die wichtige Achse zur Oberstadt hervorzuheben. Links davon entstehe eine "Ladenterrasse", die in Richtung Savignyhaus, wo die alte Platane erhalten werden soll, in einer Treppe endet.
Auf dem Dach des derzeit nicht genutzten Parkdecks will der Investor ein Hotel bauen, das jedoch nicht an der Kante des Geschosses darunter ansetzt, sondern als Ring mit Zimmern nach innen zu einem Atrium und nach außen etwas zurückversetzt entstehen wird. Zur Universitätsstraße hin werden laut Auskunft des Architekten darunter und über den Geschäftsräumen Büroflächen entstehen.
Die dahinter auf zwei Etagen geplanten Parkplätze seien von unten nicht zu sehen und auch im Bereich der Gutenbergstraße nach hinten versetzt. Zu- und Abfahrt erfolge wie bisher in der Schulstraße, jedoch würden sie umgekehrt, damit ein- und ausfahrender Verkehr sich nicht mehr begegnen.
Auf dem Dach soll ein Hotel entstehen
Wie Diegelmann ausführte, sollen nach den neuesten Plänen insgesamt 300 Parkplätze entstehen, die - schräg angelegt - gut anfahrbar sein werden. Das Soll der Stellplatzsatzung werde damit um 60 übertroffen.
Sechs Ladestationen für Elektroautos sind geplant. Bei Bedarf könnte diese Zahl aber auch aufgestockt werden, sagte Diegelmann. Mit 80 Fahrradstellplätzen - zum Teil auch abschließbar etwa für Fahrradtouristen - werde das Soll ebenfalls übererfüllt.
Auf Fragen aus dem Publikum nach Fahrradstellplätzen in der Universitätsstraße vor dem Gebäude kündigte Diegelmann an, im Bereich zwischen dem Geschäftshaus und dem Savignyhaus in Absprache mit der Philipps-Universität eine gute Lösung anzustreben. Baudirektor Jürgen Rausch erklärte zudem, dass man sich um eine Versetzung der Luftmessstation des Landes und Entfernung der Litfaßsäule bemühen werde, um vor dem Haus mehr Platz für Fußgängerinnen und Fußgänger zu erhalten.
Die Fassade zur Gutenbergstraße werde gegliedert, um den bestehenden Einzelhäusern gegenüber mit ihren Läden Rechnung zu tragen, erläuterte Reith. Eingänge zum Hotel, den Bürosund zu den Parkplätzen dienten dazu. Generell werde es sich nicht um ein geschlossenes Zentrum handeln, in das die Kunden nur hinein und wieder hinaus gehen, sondern es sei in alle Richtungen mit Eingängen offen, sodass umliegender Einzelhandel gut erreicht werden kann.
"Tegut ist als Hauptmieter gesetzt", erklärte Diegelmann. Der Lebensmittelmarkt bleibe im Erdgeschoss.
Insgesamt werde es zusammen mit Aldi 3000 Quadratmeter Fläche für Lebensmittel geben. Daneben kommt mit "dm" eine Drogerie hinzu.
Befürchtungen, dass beide Ketten mittelfristig ihre Märkte im "Marktdreieck" schließen könnten, teilt Stadtentwicklungsreferent Wolfgang Liprecht vom Referat für Stadt-, Regional- und Wirtschaftsentwicklung der Universitätsstadt Marburg nicht. Im Gegensatz zum Stadtzentrum bediene das Geschäftshaus am Erlenring eher regionale Kundenströme.
Im vorderen Bereich des Erdgeschosses zur Universitätsstraße hin wird laut Diegelmann ein Geschäft für Mode angesiedelt. Weitere "Fashion-Angebote" sollen die Kunden im ersten Obergeschoss finden, das durch eine Rolltreppe mit dem unteren Bereich verbunden wird.
Insgesamt sind für Textilien 3200 Quadratmeter vorgesehen. Zehn kleinere Ladenlokale seien zudem eingeplant. „Wir werden das Sortiment eng mit der Stadt absprechen“, versprach der Investor. Darüber hinaus gebe es noch Freiflächen, für die die genauere Planung noch erfolge. Im Erdgeschoss sind Diegelmanns Auskunft noch ein Café sowie der Empfangsbereich des geplanten Hotels vorgesehen, das seinen Frühstücksraum im ersten Obergeschoss haben soll. Es werde von der B + B Kette mit 85 Zimmern als reines Zwei-Sterne-Frühstückshotel betrieben.
Die Anlieferung werde wie bisher über die Schulstraße erfolgen. Angesichts von Befürchtungen, es werde mehr Verkehr geben, dem die Schulstraße und "Am Grün" nicht mehr gewachsen seien, hob Bürgermeister Kahle hervor, dass er sicher ist, dass sie ausreichen. Kahle verwies darauf, dass das Gebäude früher auch ohne Probleme mehr frequentiert wurde.
Wie der genaue Bauablauf aussehen soll, steht laut Diegelmann noch nicht fest. Es werde mindestens ein Kran in der Gutenbergstraße platziert. Jedoch werde gewährleistet, dass die Anlieferung der Geschäfte dort bei gleichzeitigem Verkehrsfluss gewährleistet ist. Kahle versprach, in einer weiteren Veranstaltung vor Baubeginn, der für April 2017 vorgesehen ist,noch einmal genauer zu informieren.
pm: Stadt Marburg
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