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Luca Bigazzi erhält Marburger Kamerapreis 2017

11.11.2016 (fjh)
Der Marburger Kamerapreis 2017 geht an Luca Bigazzi. Der 57-jährige
ist der erste italienische Kameramann in der Geschichte des - mit 5.000 Euro dotierten - Preises. Die Verleihung ist für den 4. März 2017 im Rahmen der Bild-Kunst-Kameragespräche geplant.
"Der Marburger Kamerapreis ist eines der Musterbeispiele der Kooperation zwischen Stadt und Universität", sagte Kulturdezernentin Dr. Kerstin Weinbach bei der Vorstellung des Preisträgers am Freitag (11. November). "Luca Bigazzi bewegt sich ebenso virtuos in der Tradition des italienischen Films, wie er mühelos mit hoch- und populärkulturellen Bildwelten operiert", sagte der Medienwissenschaftler Prof. Malte Hagener, der die inhaltliche Leitung des Kamerapreises inne hat. Er lobte die Vielseitigkeit und die Experimentierfreudigkeit des Preisträgers, der auch "einer der großen Visionäre und Erneuerer" sei.
"Meisterhaft" beherrsche er eine breite Palette an Bildsprachen und sei "längst selbst zu einem prägenden Akteur der italienischen und europäischen Filmgeschichte geworden", urteilte der Beirat, der den Preisträger einstimmig auswählte. Zudem sei ihm in den kommenden Jahren "eine gewichtige Rolle bei der Herausbildung und Weiterentwicklung einer digitalen Bildsprache zuzutrauen". Das betonte auch Rüdiger Laske vom Berufsverband Kinematografie, der zugleich die Marburger Unterstützung für die Kameraarbeit in Europa begrüßte.
Von "großem Kino aus Italien" sprach Hubert Hetsch vom Kammer-Filmkunsttheater. Bigazzi habe viele hervorragende Filme gedreht, die gute Geschichten erzählen. Auch Dr. Richard Laufner vom städtischen Fachdienst Kultur sagte: "Der italienische Film ist es wert, dass er endlich auf der Europakarte des Marburger Kamerapreises erscheint."
Der 1958 in Mailand geborene Luca Bigazzi hat nie eine Filmhochschule von innen gesehen. Stattdessen startete er seine Karriere in der Werbebranche, wo er 1977 als Regieassistent für Fernsehspots begann. Seinen Einstieg als Kameramann hatte er unter Regisseur Silvio Soldini mit "Paesaggio con Figure" 1983.
In der Zusammenarbeit mit dem aufstrebenden Regisseur drehte er 2000 auch den ersten Film, der in Deutschland bekannt wurde. Die Erfolgskomödie "Brot und Tulpen" mit Bruno Ganz in der Hauptrolle wurde neun Mal mit dem bedeutendsten italienischen Filmpreis David di Donatello ausgezeichnet.
Insgesamt hat Bigazzi mehr als 70 Spielfilme verschiedener Genres gedreht. Viele von ihnen wurden für ihre herausragende Bildgestaltung ausgezeichnet.
In Deutschland erfolgreich war das Sozialdrama "Lamerica" des Regisseurs Gianni Amelio, für das er mit dem Silbernen Band der Berufsvereinigung der italienischen Filmjournalisten geehrt wurde.
International bekannt wurde er mit "Die große Schönheit" von Paolo Sorrentino. Dieser Film gewann 2014 einen Oscar und einen Golden Globe.
Für seine Arbeit an Gianni Amelios "So haben wir gelacht" von 1998 sowie an Francesca Archibugis "L’Albero delle Pere" von 1998 wurde er bei den Filmfestspielen in Venedig ausgezeichnet. Preisgekrönt wurde auch der mit Amelio entstandene Film "Die Hausschlüssel" mit Charlotte Rampling.
Mit dem kürzlich verstorbenen Starregisseur Abbas Kiarostami drehte er 2010 "Die Liebesfälscher" mit Juliette Binoche. Weitere Stars wie Sean Penn, Frances McDormand, Michael Caine, Harvey Keitel und Rachel Weisz standen in den Filmen des italienischen Regisseurs Paolo Sorrentino "Cheyenne – this must be the place" von 2011 und die „"wige Jugend" von 2015 vor seiner Kamera.
Mit Sorrentino drehte er auch Filme wie 2008 "Der Göttliche" und die kürzlich angelaufene Fernsehserie "Der junge Papst" mit Jude Law und Diane Keaton in den Hauptrollen. Zudem arbeitete er mit Regisseuren wie Mario Martone, Felice Farina, Michele Placido und Francesca Comencini zusammen.
Der von der Philipps-Universität und der Universitätsstadt Marburg gemeinsam vergebene "Marburger Kamerapreis" wird seit 2001 verliehen. Er soll die oft unterschätzte Arbeit der Kameraleute würdigen.
Zu den Preisträgern zählen der - erst am Dienstag (8. November) verstorbene - Raoul Coutard sowie seine Kollegen Eduardo Serra, Agnès Godard, Pawel Edelmann, Ed Lachmann und Jürgen Jürges. Bigazzi wird den Preis am 4. März 2017 ab 20 Uhr im Rahmen der Bild-Kunst Kameragespräche in der Alten Aula der Philipps-Universität erhalten.
pm: Stadt Marburg
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