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Vor 499 Jahren


Neue Stadtschrift zur Zeit Martin Luthers

01.11.2016 (fjh)
Der neue Band 106 der Marburger Stadtschriften zur Geschichte und Kultur erzählt die großen und kleinen Vorkommnisse der welthistorisch bedeutenden Umbruchzeit der Reformation am Beispiel der Stadt Marburg. Wie haben die Marburger zur Zeit Martin Luthers gelebt, gewohnt, gearbeitet, gegessen, getrunken, geliebt? Wie lief die Enteignung der Klöster, die Universitätsgründung, das Marburger Religionsgespräch oder die Täuferdisputation ab?
Zum Reformationstag am Montag (31. Oktober) hatte Stadträtin und Kulturdezernentin Dr. Kerstin Weinbach zu einer Lesung und Buchvorstellung der neuen Stadtschrift in den Historischen Saal des Rathauses eingeladen. Rund 120 Interessierte waren gekommen, um mit Autor Daniel Twardowski alias Dr. Christoph Becker, Illustrator Vitali Konstantinov und dem Trio Viola da Samba einen Abend wie aus einer anderen Zeit zu verbringen.
Zuvor hatten die Marburger Innenstadtkirchen einen ökumenischen Gottesdienst auf dem Marktplatz gefeiert, an dem rund 200 Menschen teilnahmen. Probst Helmut Wöllenstein überreichte eine anlässlich des Kirchenjubiläums neu übersetzte Luther-Bibel an die Universitätsstadt Marburg.
"Nach zwei Jahren der Vorbereitung beginnen wir heute in Marburg das Reformationsjahr, dass wir gemeinsam mit den Kirchen, mit dem Hessischen Landestheater, mit dem Staatsarchiv, der Philipps-Universität und weiteren Partnerinnen und Partnern gestalten", leitete Weinbach die Lesung ein. Bis zum Reformationstag im Jahr 2017, der in ganz Deutschland ein gesetzlicher Feiertag sein wird, erwarte alle Interessierten zum 500. Jubiläum des Thesenanschlags von Martin Luther ein außergewöhnliches Programm.
"Heute stellen wir mit der Stadtschrift Die von Marpurg unseren - von Seiten der Stadt inhaltlich profundesten - Beitrag zum Reformationsjahr vor", freute sich Kulturdezernentin Weinbach unter dem Applaus im vollbesetzten Saal. Zugleich erinnerte sie an die historische Relevanz des geschriebenen Wortes: so sei die Reformationsbewegung ohne Buchdruck nur schwer vorstellbar gewesen.
Autor Daniel Twardowski bedankte sich bei allen Beteiligten und gab in zwei Kapiteln schlaglichtartig Einblicke in sein Werk: eingebettet in die welthistorischen Entwicklungen der Zeit, die kirchlichen und politischen Machtverhältnisse vor Ort und in Europa, lies er den Bau des Marburger Rathauses vor den interessierten Zuhörerinnen und Zuhörer Stein für Stein voranschreiten. Angereichert mit sprachlichen Feinheiten, wie dem Ursprung des Ausdrucks „ordentlich was auf dem Kerbholz haben“, der zur Zeit Luthers einen ehrlichen und fleißigen Menschen auszeichnete, sorgte Twardowski für staunende Stille, die nur von immer wieder aufkommendem freudigen Lachen unterbrochen wurde.
Vitali Konstantinov brachte seine Freude darüber zum Ausdruck an der Stadtschrift über „die Marpurger“ mit Illustrationen beteiligt zu sein und hob das historische Marburg wie das Werk Twardowskis als eine „Inspiration“ hervor. Vor den Augen der Anwesenden zog schließlich Stadträtin Weinbach die Siegerinnen und Sieger eines Gewinnspiels, das vom „Bildungsereignis Reformation“ der Philipps-Universität organisiert worden war. Die Gewinnerinnen und Gewinner werden schriftlich benachrichtigt.
Die Stadtschrift "Die von Marpurg und die Welt Martin Luthers" besteht aus lebendig geschriebenen Geschichten, eng am dokumentarischen Material und den zeitgenössischen Quellen orientiert, aber ohne Fußnotenkriege, wie Kulturamtsleiter Dr. Richard Laufner am Montag erklärte.
In 26 Kapiteln, die man nacheinander lesen kann, aber nicht muss, und in denen man nach Belieben "schmökern" kann, sollen auf diese Weise Stadtgeschichte, Reformationsgeschichte und Alltagsgeschichte gleichermaßen lebendig werden. Die Marburgerinnen und Marburger werden dabei übrigens genauso bezeichnet, wie sie in allen historischen Dokumenten dieser vielleicht spannendsten Phase ihrer Stadtgeschichte genannt werden, wenn die Gesamtheit der Einwohner gemeint und angesprochen war: als die von Marpurg.
Das 240-Seiten-Werk "Die von Marpurg und die Welt Martin Luthers" von Daniel Twardowski alias Dr. Christoph Becker, illustriert von Vitali Konstantinov, ist jetzt druckfrisch im Rathaus-Verlag der Stadt erschienen. Der Beginn der Reformation wird mit Luthers Thesenanschlag auf das Jahr 1517 datiert. Passend dazu hat der Fachdienst Kultur als Projektverantwortlicher den Verkaufspreis des Bandes 106 der Marburger Stadtschriften auf 15,17 Euro festgelegt (ISBN: 978-3-942487-08-5).
Die Stadtschrift ist erhältlich beim Fachdienst Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Universitätsstadt Marburg im Rathaus am Markt. Man kann sie ebenso über ein Online-Formular auf der Website der Stadt wie auch im Buchhandel bestellen.
Daniel Twardowski alias Dr. Christoph Becker, Jahrgang 1962, ist ein akademischer Sohn der Alma Mater Philippina, denn er hat in Marburg Germanistik und Medienwissenschaften studiert und über die Gelehrtenwelt des späten 16. Jahrhunderts promoviert. Stipendien führten ihn an die Herzog-August-Bibliothek in Wolfenbüttel und in die Casa di Goethe in Rom, eine Frühphase als Dokumentarfilmer außerdem bis nach New York. Als Schriftsteller ist er in Marburg mit dem Theaterstück „Der zweyweibige Landgraf“ über Philipp den Großmütigen hervorgetreten und hat seither vier Romane veröffentlicht, die auch alle in zweiter Auflage erschienen sind. Twardowski hat diverse Literaturpreise erhalten, darunter den Förderpreis zum Literaturpreis Ruhrgebiet 2003, den Oberhausener Literaturpreis 2006 sowie den Deutschen Kurzkrimipreis 2007, und war mit zwei Bänden seiner „Investigator“-Trilogie auf der Auswahlliste für den renommierten Glauser-Preis. Aktuell ist neben Anthologie-Veröffentlichungen – unter anderem in „SoKo Marburg-Biedenkopf“ – und drei ebooks der Aktfotoband „Dark Planet – 200 Variationen zu Courbets Ursprung der Welt“ lieferbar. Im Luther-Jahr ist er in Marburg als Kulturamtsmitarbeiter für Reformation und Stadtgeschichte tätig. Weitere Informationen zu seiner Person sind unter www.twardowski-autor.de zu finden.
Vitali Konstantinov, Jahrgang 1963, hat ebenfalls an der Philipps-Universität studiert, nämlich Druckgrafik, Byzantinische Kunstgeschichte und kirchliche Kunst der Gegenwart, nachdem er bereits ein Studium der Architektur, im Freihandzeichnen und der Malerei an der Fachhochschule für Bildende Künste in Gorki/Russland abgeschlossen hatte. Seit sechzehn Jahren ist er als freier Künstler, Illustrator, Comiczeichner, Autor und Herausgeber in Marburg und Hamburg tätig und hat dabei unter anderem mit Wladimir Kaminer, Maxim Biller, Eckhard Henscheid, Cornelia Funke und Gila Lustiger zusammengearbeitet. Als Hochschullehrer erfüllte er seit 2007 Lehraufträge in Marburg, Hamburg, Weimar sowie in Italien, Spanien und in der Schweiz. Er kann zahlreiche Ausstellungen in Tokyo, Belgrad, München, Luzern, Seoul, Bologna, Teheran und New York vorweisen. Vitali Konstantinov hat über hundert Bücher illustriert und dafür zahlreiche internationale Preise und Auszeichnungen erhalten, so den Preis der Stiftung Buchkunst in Frankfurt für „Die schönsten Bücher 2009“ und den ersten Preis der „Book Illustration Competition 2013“ in London. Soeben ist seine Graphic Novel über Dostojewski auf der Frankfurter Buchmesse erschienen. Weitergehendes ist online abrufbar: www.vitali-konstantinov.de.
pm: Stadt Marburg
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