09.09.2016 (mah)
Ihr 10-jähriges Bestehen feierte die Behring-Röntgen-Stiftung am Donnerstag (8. September) in der Alten Universität. Rund 200 Gäste aus Politik, Gesellschaft und Stiftungswesen waren der Einladung gefolgt, um gemeinsam auf die Erfolge in der Stiftungsarbeit zurückzublicken.
„Wir haben heute einen zweifachen Grund, uns zu freuen“, erklärte Stiftungspräsident Friedrich Bohl. „Unsere Arbeit hat bereits jetzt bleibende Spuren hinterlassen und wird dies durch die Förderung wegweisender gemeinschaftlicher Forschungsprojekte und talentierter Nachwuchswissenschaftler auch in Zukunft tun. Der größte Ansporn für unsere Stiftung ist es zu sehen, wie nachhaltige medizinische Forschung ihren Weg in die praktische Anwendung findet und Menschenleben retten kann“, sagte Bohl. „Dabei gilt unser ganz besonderer Dank den aktiven Unterstützern unserer Arbeit.“
Der ehemalige Staatssekretär Professor Dr. Joachim-Felix Leonhard, der bis zum Jahr 2011 Präsident der Stiftung war, dankte der Hessischen Landesregierung für ihr großes Engagement bei der Errichtung der Stiftung. Das Land hatte sie am 8. September 2006 mit dem Ziel gegründet, medizinische Spitzenforschung und Lehre an den Hochschulen in Marburg und Gießen zu fördern. „Mit dieser Entscheidung hat die Landesregierung maßgeblich zur Exzellenzbildung in der medizinischen Forschung und Lehre beigetragen und zudem Anreize zur Kooperation der beiden medizinischen Fachbereiche geschaffen“, konstatierte Leonhard.
Bisher konnte die Stiftung rund 90 Forschungsprojekte mit einer Gesamtsumme von über 16 Millionen Euro fördern. „Ich beglückwünsche die Von Behring-Röntgen-Stiftung, dass sie trotz der anhaltenden Niedrigzinsphase diese beachtliche Fördersumme ausschütten konnte“, erklärte der ehemalige Hessische Ministerpräsident Roland Koch. Als eine auf Ewigkeit angelegte, unabhängige und standortnahe Fördereinrichtung sei die Stiftungsgründung die beste Wahl zur dauerhaften Unterstützung und Sicherung der Marburger und Gießener Hochschulmedizin gewesen, betonte Koch.
Ein Höhepunkt der Festveranstaltung war die Auszeichnung von Professor Dr. Andreas Neubauer mit der Von Behring-Röntgen-Forschungsmedaille, die seit 2010 im zweijährigen Turnus verliehen wird. Der Marburger Onkologe erhielt die Medaille in Anerkennung seiner Lebensleistung in der Erforschung von Krebserkrankungen. Gemeinsam mit seiner Forschergruppe hat er entdeckt, dass Magenlymphome mit Antibiotika behandelt werden können.
Inzwischen ist die von ihm zusammen mit dem Gastroenterologen Professor Dr. Ekkehard Bayerdörffer sowie dem Pathologen Professor Dr. Manfred Stolte entwickelte Therapie dieser Form des Magentumors weltweit als Standardtherapie anerkannt. Zu seinen Erfolgen gehört darüber hinaus die Etablierung eines Mittels, das bereits bei der Behandlung von Nieren- und Leberkrebs sowie zur Therapie bei bestimmten Formen der Leukämie eingesetzt wurde.
Der 58-Jährige ist seit 1999 Direktor der Klinik für Hämatologie, Onkologie und Immunologie, am Zentrum für Innere Medizin der
Philipps-Universität. Er erforscht insbesondere Leukämien, Magentumore sowie Bronchialkarzinome. Zudem ist er Spezialist für allogene Blutstammzelltransplantationen.
Um neue Therapiekonzepte zu entwickeln, führt er in seiner Forschung Tumor‐, Immun‐ und Infektionsbiologie zusammen. Neubauers Ziel ist es, Krebs eines Tages wie eine chronische Krankheit behandeln zu können. Eines seiner Forschungsinteressen gilt daher der Frage, wie sich Resistenzen in der Tumortherapie durchbrechen lassen.
Für seine Leistungen wurde Neubauer 2006 mit dem Wilhelm-Warner-Preis für die Erforschung und Therapieentwicklung von Krebs- und Leukämieerkrankungen ausgezeichnet. Neubauer ist unter anderem Mitglied der Nationalen Wissenschaften der Leopoldina und gehört der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie sowie der American Association for the Advancement of Science an. Besondere Verdienste erwarb er sich bei der Einwerbung des 2009 eröffneten José Carreras Leukämie Centrum (CLC). Das CLC, das für die Marburger Onkologie von großer Bedeutung ist, bietet Ärzten und Wissenschaftlern eine optimale Infrastruktur für die klinische Forschung und Patientenversorgung.
Die Ehrung des Preisträgers übernahm Professor Dr. Edison Tak Bun-Liu, President und CEO des Jackson Laboratory and Jackson Comprehensive Center, Maine, USA. In seiner Laudatio würdigte er nicht nur das wissenschaftliche, sondern auch das persönliche Lebenswerk seines langjährigen Freundes. Neubauer sei nicht nur Arzt und Wissenschaftler, sondern auch Musiker, Philosoph, Moralist und Intellektueller sowie Familienmensch und Freund.
pm: Behring-Röntgen-Stiftung
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