19.08.2016 (fjh)
Wer eine Flucht hinter sich hat, der freut sich, mit offenen Armen willkommen geheißen zu werden. Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies stellte am Donnerstag (18. August) fünf Ehrenamtliche vor, die für eine Aufwandsentschädigung aus dem Landesförderprogramm "Sport und Flüchtlinge" Menschen dabei helfen, Anschluss in Sportvereinen zu finden.
Das Förderprogramm "Sport und Flüchtlinge" des Hessischen Ministeriums des Innern und für Sport unterstützt die hessischen Städte und Gemeinden dabei, geflüchteten Menschen Zugänge zu Sport und Bewegungsangeboten zu eröffnen. Ihnen soll das Programm ihr Ankommen in einer neuen Stadt schnell und unkompliziert erleichtern.
"Sport kann hier einen wichtigen Beitrag leisten, da er unabhängig von Sprache, Herkunft, Religion und sozialem Status funktioniert", frute sich Spies. Das Programm sei eine "ziemlich gute Idee", da sich mit überschaubarem Aufwand viel Sinnvolles erreichen lasse. So entstünden Kontakte, Menschen lernten sich kennen und fänden Anschluss.
"Einen besonderen Dank verdienen die rund 130 Sportvereine in Marburg, die mit einer beeindruckenden Selbstverständlichkeit mithelfen, geflüchtete Menschen in die Gruppe aufnehmen und sie häufig sogar beitragsfrei stellen", lobte Fachdienstleiter Björn Backes die Vereine. Bereits im März hatte sich die
Universitätsstadt Marburg um Fördergelder beworben, um für die in Marburg und Umgebung lebenden Geflüchteten Sportangebote zu organisieren.
"Von offizieller Seite haben wir alle Sportvereine der Stadt angeschrieben und über den geplanten Einsatz der Sport-Coaches informiert, die sich in den Wochen danach persönlich vorgestellt haben", berichtete Anne Herzig vom Fachdienst Sport. Im direkten Kontakt machten sich die Ehrenamtlichen ein Bild davon, in welchem Verein welche Kapazitäten für die Aufnahme von zusätzlichen Menschen in den regulären Trainingsbetrieb bestehen.
Danach nahmen sie Kontakt zu Einrichtungen auf, in denen Minderjährige, die ohne ihre Eltern in Marburg angekommen sind, leben. Auf die Arbeit mit geflüchteten Menschen wurden die ehrenamtlichen Sport-Coaches vorab in einer von der Sportjugend Hessen organisierten Schulung speziell vorbereitet. Bei regelmäßigen Treffen besprechen sie seitdem das strategische Vorgehen und stimmen sich aufeinander ab.
Das Sport-Coach-Team bringt für seine Vernetzungsarbeit ganz unterschiedliche Qualifikationen mit: Mario Lefebre ist in der Marburger Fußballszene gut vernetzt. Jörg Penndorf hat Erfahrung in der Leitung von Gruppen im Fitnesssport und kennt sich im Leichtathletik-Bereich gut aus. Sven Morawa war schon als Sport-Coach für die Gemeinde Amöneburg tätig und bringt vielfältige Erfahrungen mit.
Annedore Döring ist bereits ehrenamtlich im "Portal Gisselberg | Zentrum für Flüchtlinge" engagiert. Ahmed Sibak arbeitet als Sozialbetreuer im Camp in Cappel, kommt aus Ägypten und spricht arabisch, englisch und deutsch. Wilfried Bepperling ist offiziell kein Sport-Coach, unterstützt dennoch ehrenamtlich insbesondere die Arbeit von Ahmed Sibak.
Gemeinsam stellen sie seit Anfang Mai den Kontakt zwischen Sportvereinen, Asylbetreuung, Flüchtlingsunterkünften und mittlerweile knapp 200 Geflüchteten her. Das funktioniert vor allem zu Beginn auch, in dem sie gemeinsam Sport treiben und zusammen Angebote der Vereine wahrnehmen.
Erste Erfahrungen haben gezeigt, dass es den Sportvereinen häufig an Übungsleiterinnen und Übungsleitern fehlt, um zusätzliche Sportangebote zu schaffen. Wer hier weiterhelfen kann oder Fragen an die fünf hat, erreicht sie per E-Mail unter
sportcoach
at marburg.de
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Als nächsten Schritt wollen die Sport-Coaches Kontakt zu Menschen in Gemeinschaftsunterkünften aufbauen und sie ebenfalls für das Sporttreiben in Marburgs Vereinen begeistern. Dabei versuchen sie, insbesondere junge Frauen und Mütter zu erreichen.
"Entscheidend ist, menschliche Beziehungen aufzubauen und den ersten Schritt mitzugehen", waren sich die Sport Coaches einig.
pm: Stadt Marburg
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