18.04.2016 (fjh)
Die Frühneuzeithistorikerin Dr. Lena Haunert und der Zeithistoriker Dirk Strohmenger erhielten den Wissenschaftspreis für Hessische Geschichte und Landeskunde des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst (HMWK). Die prämierten Dissertationen entstanden am Seminar für Neuere Geschichte der
Philipps-Universität unter der Betreuung der Professoren Christoph Kampmann und Eckart Conze. Ebenfalls ausgezeichnet wurde die Arbeit des Philologen Dr. Michael Fleck aus Bad Hersfeld.
Haunert und Strohmeger erhielten jeweils 2.000 Euro Preisgeld. Aus insgesamt 26 Bewerbungen hatte eine Jury unter der Leitung von Prof. Dr. Ursula Braasch-Schwersmann vom Hessischen Landesamt für geschichtliche Landeskunde die Preisträgerin und die Preisträger ausgewählt.
Wissenschaftsminister Boris Rhein betonte: "Die Arbeiten ermöglichen neue, interessante Blicke auf die hessische Landesgeschichte. Ich wünsche der Preisträgerin und den Preisträgern weiterhin viel Tatkraft und Freude bei der Erforschung unserer spannenden Historie."
In ihrer Dissertation "Einsatz in der Fremde? Das Amerikabild der deutschen Subsidientruppen im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg" untersucht Haunert erstmals umfassend und systematisch das breite Schrifttum, private und amtliche Korrespondenzen sowie Tagebücher der Angehörigen der deutschen und insbesondere hessischen Truppen, die im Dienst der britischen Krone zwischen 1777 und 1783 in Amerika kämpften. Ihr Betreuer Kampmann hob in seiner Laudatio den großen Wert der Untersuchung hervor, durch "die wir nun weit mehr darüber wissen, wie die Hessians in Amerika die Kriegsverhältnisse, die Landschaft und die als fremdartig empfundenen Lebensverhältnisse der Zivilbevölkerung eingeschätzt haben". Auch sei es Haunert zu verdanken, dass wichtige Teile der Quellen inzwischen ediert vorliegen.
Strohmenger untersuchte in seiner Studie "Volksgemeinschaft auf dem Land - nationalsozialistische Durchdringung des Odenwalds 1923-1945" den Aufstieg des Nationalsozialismus und die nationalsozialistische Herrschaft in regionalhistorischer Perspektive. Betreuer Conze unterstrich: "Die Arbeit ist ein Musterbeispiel moderner landeszeithistorischer Forschung, in der regionale Entwicklungen im Lichte übergreifender Forschungsperspektiven betrachtet werden."
Auf breitester Quellengrundlage habe Strohmenger die Praktiken dieser "Volksgemeinschaft" untersucht. Nicht zuletzt habe er dabei ihre einerseits inkludierende, andererseits jedoch radikal exkludierende Wirkung herausgearbeitet, ohne die die Gewaltverbrechen des NS-Regimes nicht zu erklären seien.
Das HMWK vergibt alle zwei Jahre den Wissenschaftspreis Hessische Geschichte und Landeskunde. Er richtet sich an Verfasser von Forschungsarbeiten, die Themen zu Hessens kulturellem Erbe im Fokus haben. Der Preis ist mit maximal 5.000 Euro dotiert.
pm: Philipps-Universität Marburg
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