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Optionsmodell als Perspektive


Kreis stellte Jahresbilanz des KJC vor

28.01.2008 (fjh)
Als "richtige Entscheidung für den Landkreis und die Betroffenen" hat Landrat Robert Fischbach die Übernahme der Zuständigkeit für die Langzeit-Arbeitslosen bezeichnet. Gemeinsam mit dem Ersten Kreisbeigeordneten Dr. Karsten McGovern und Vertretern des KreisJobCenters (KJC) stellte der Landrat am Montag (28. Januar) die Jahresbilanz des KJC für 2007 vor.
Insgesamt sei die Arbeit des KJC im abgelaufenen Jahr überaus erfolgreich gewesen, freuten sich Fischbach, McGovern und die KJC-Leiterin Andrea Martin. Im Dezember 2007 lag die Arbeitslosenquote im Landkreis Marburg-Biedenkopf mit 4.574 Betroffenen um 8,4 Prozent unter der Vorjahreszahl.
4.302 Menschen seien seit Anfang Januar 2007 in den Ersten Arbeitsmarkt integriert worden. Immerhin 56 Prozent davon erzielten ein existenzsicherndes Einkommen.
Gegenüber dem Vorjahr habe das KJC die Zahl der "Integrationen" um 8,6 Prozent steigern können. Als Erfolge eigener Vermittlungsarbeit betrachtet das KJC dabei 1.555 Fälle. Das ist eine Steigerung im Vergleich zum Vorjahr von 6,6 Prozent.
Von insgesamt 631 Bewerbern für eine Erst-Ausbildung wurden 375 erfolgreich vermittelt. Auf diese Zahl war Martin besonders stolz, weil jungen Menschen damit schnell eine Perspektive für ihren weiteren Berufsweg eröffnet werde.
Die Anzahl der in Kurse, Projekte oder sogenannte "Arbeitsgelegenheiten" vermittelten Bewerber lag bei insgesamt 4.096. Das waren trotz einer Kürzung der Zusweisungen des Bundes um 1,8 Millionen Euro 2,5 Prozent mehr als im Jahr 2006.
Die Anzahl der neu angetretenen "Ein-Euro-Jobs" ging dabei im Verhältnis zum Vorjahr um 10 Prozent auf 1.284 zurück.
Auch die Zahl der "Bedarfsgemeinschaften" ist von 8.033 im Dezember 2006 auf 7.541 im Dezember 2007 gesunken. Diese Verringerung um 493 fällt allerdings schon geringer aus als die Reduzierung der Erwerbslosen-Zahl.
Insgesamt habe das KJC im vergangenen Jahr 8.768 Menschen neue "berufliche Perspektiven" eröffnet. Damit liege das KJC nicht nur im hessischen Vergleich sondern auch bundesweit vorne.
Leicht angestiegen hingegen ist 2007 die Zahl der "Aufstocker", die neben einem Lohn noch Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch II (SGB II) beziehen. Sie lag im Dezember 2007 bei 2.775 Beschäftigten. Im Dezember 2006 hatte sie mit 2.759 Beziehern ergänzender Leistungen aber nur geringfügig niedriger gelegen.
Einen Grund für die Forderung nach einem gesetzlichen Mindestlohn mochte Landrat Fischbach darin indes nicht sehen. Allerdings trete er dafür ein, dass Menschen für ihre Arbeit auch einen angemessenen Lohn erhalten. Darüber müsse die Politik "nachdenken", meinte er.
Ein Mindestlohn von 7,50 Euro, wie ihn beispielsweise der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) fordert, würde das Problem nach Einschätzung von McGovern auch nicht wirklich lösen. Angesichts der Tatsache, dass viele Bezieher ergänzender Leistungen von ihrem Gehalt auch noch Familienangehörige miternähren müssten, würde das KJC eine Erleichterung dieses Problems seiner Ansicht nach erst bei einem Mindestlohn von mehr als 11 Euro erfahren.
Vor allem Jobs bei Leiharbeitsfirmen verschafften in aller Regel kein existenzsicherndes Einkommen, berichtete die Fallmanagerin Elke Werner. Eine Familie könne man damit in der Regel nicht ernähren. Dennoch sprach sie sich für die Vermittlung von Erwerbslosen an Leih-Arbeitsfirmen aus. Erst dadurch erhielten viele einen Arbeitsrhythmus, der nicht selten auch weiterhelfe bei der Vermittlung in eine existenzsichernde Stelle.
Verschärftes Augenmerk widmen möchte das KJC neben "jungen Müttern" künftig auch Bewerbern mit einem Migrations-Hintergrund. Eigens für sie werden spezielle Qualifizierungs- und Betreuungsprogramme entwickelt.
Fatma Aydin stellte ihre Arbeit als Fallmanagerin beim KJC anhand konkreter Beispiele kurz vor. Wichtig sei bei ihrer Arbeit die Suche nach den Qualifikationen und Eignungen der Betroffenen. Niemals könne man gegen einen Bewerber erfolgreich arbeiten, meinten sie und ihre Kollegin Elke Werner.
In den sogenannten "Arbeitsgelegenheiten" sieht Aydin eine Chance für die Betroffenen, die auch ihr persönliches Selbstvertrauen und die Selbstachtung stärken könne. Zweifel an dieser Sicht kamen allerdings auf angesichts von Fällen, bei denen im Rahmen einer Qualifizierungsmaßnahme Teilnehmer auch putzen müssen.
Auf die bundespolitische Komponente des sogenannten "Optionsmodells" wies Fischbach hin, indem er an ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom Dezember 2007 erinnerte. Der Zweite Senat hatte die Konstruktion der Arbeitsgemeinschaften (ArGen) als Gemeinschaftsverwaltung von Kommunen und der Bundesagentur für Arbeit (BA) für verfassungswidrig erklärt.
Für Fischbach ergibt sich daraus die Perspektive, das "im Landkreis Marburg-Biedenkopf erfolgreich umgesetzte Optionsmodell" auch bundespolitisch zu propagieren.
Franz-Josef Hanke
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