05.03.2016 (fjh)
Antisoziales Verhalten und Kooperation schließen einander nicht aus. Im Gegenteil kann beides in lokalen Gemeinschaften unter Umständen gleichzeitig auftreten, wie Wirtschaftswissenschaftler und Umweltforscher aus Marburg und Innsbruck sowie Beaufort in den Vereinigten Staaten von Amerika (USA) festgestellt haben. Die Forschergruppe um Juniorprofessor Dr. Björn Vollan von der
Philipps-Universität führte Verhaltensexperimente in Dorfgemeinschaften mexikanischer Meeresschutzzonen sowie Befragungen durch. Das Team veröffentlicht seine Ergebnisse in der aktuellen Ausgabe der Online-Zeitschrift "Science Advances".
"Kooperation kann die nachhaltige und wirkungsvolle Nutzung gemeinschaftlicher Güter verbessern zum Beispiel in der Forstwirtschaft oder Fischerei", erläuterte der Wirtschaftswissenschaftler Vollan. "Welchen Einfluss antisoziales Verhalten dabei hat, blieb bislang weitgehend ungeklärt."
Um diese Frage zu beantworten, forschten Vollan und seine Koautoren in Küstenorten im nordwestlichen Mexiko, die sich durch eine reiche marine Lebewelt auszeichnen. Die Forschergruppe verglich in einer Verhaltensstudie Menschen, die in Meeresschutzzonen leben, mit Personen außerhalb dieser Zonen.
Die erhobenen Daten zeigen, dass in den kleinen Fischerorten kooperatives und antisoziales Verhalten in hohem Maße miteinander einhergehen. Das gilt nicht nur für Fischer.
"15 Jahre nach Etablierung der Schutzzonen weisen diese ein größeres Maß an sozialförderlichem, aber auch an antisozialem Verhalten auf als andere Gegenden", schreiben die Verfasser. "Warum unterscheiden sich die Schutzzonen von anderen Regionen, was das Sozialverhalten angeht?", fragte der Umwelt- und Ressourcen-Ökonom.
Einen erheblichen Einfluss schreibt die Forschergruppe einer erhöhten Anzahl von Personen zu, die gesteigertes antisoziales und kooperatives Verhalten in sich vereinen. Für das verstärkte sozialförderliche Verhalten führen die Wissenschaftler drei mögliche Gründe ins Feld: den Zusammenhalt gegen gemeinsame Gegner oder Gefahren, die Antwort auf rechtliche Vorgaben oder eine Reaktion auf vertrauensbildende Maßnahmen.
Als Ursache für das gesteigerte antisoziale Verhalten vermutet das Forschungsteam einen verschärften Wettbewerb, da die Einführung der Schutzzonen neue ökonomische Möglichkeiten eröffnet habe. "Ich versuche, mit allen befreundet zu sein und die anderen zu schlagen", zitieren die Autoren einen Fischer zum Reiz seines Berufs. "Es ist immer aufregend, zu sehen, wer gewinnt."
Vollan sieht durch die aktuellen Resultate bestätigt, was bereits eine vorangegangene Studie in Namibia ergab, die er mit anderen Kollegen durchführte: "Wir fanden heraus, dass antisoziales Verhalten insbesondere dann verstärkt auftreten kann, wenn Ressourcenknappheit mit Wettbewerb um Weideland einhergeht."
Vollan hat seit Oktober 2015 eine "Robert-Bosch-Juniorprofessur für nachhaltige Ressourcennutzung" an der Philipps-Universität inne. Seine Arbeitsgruppe untersucht den Einfluss von Klimakatastrophen auf das Verhalten der Betroffenen und deren Umgang mit natürlichen Ressourcen.
pm: Philipps-Universität Marburg
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