28.01.2008 (sts)
Prominente Politiker aller Parteien gaben sich während des Wahlkampfs auch in Marburg die Klinke in die Hand. Da hob es sich fast wohltuend vom sonstigen Programm ab, wenn eine Bundesministerin ausschließlich zu einem Fachgespräch erscheint. Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) war auf Einladung des
Marburger Weltladens am Freitag (25. Januar) in der Alten Mensa zu Gast. Vor rund 130 Zuhörern stellte sie den neuen entwicklungspolitischen Freiwilligendienst
Weltwärts vor.
Knapp zwei Wochen vorher hatte Wieczorek-Zeul die ersten 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Programms von Berlin aus in alle Welt verabschiedet.
"Wenn deutsche Soldaten in einen Einsatz verabschiedet werden, sind alle Kameras auf sie gerichtet. Das Engagement der Freiwilligen wird bisher weit weniger gewürdigt. Ich hoffe, das wird sich ändern", monierte die Ministerin zu Anfang.
Das "Weltwärts"-Programm richtet sich an junge Menschen zwischen 18 und 28 Jahren, die für einen Zeitraum zwischen sechs und 24 Monaten einen Freiwilligendienst in einem Entwicklungsland leisten wollen. Unter Trägerschaft des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) haben sich 50 Entsende-Organisationen zusammengefunden, um ein breites Projektangebot zu schaffen.
Der Vorteil für die Teilnehmer: Die Kosten für Vorbereitungsseminare, Sprachkurse, Flüge, Unterkunft, Verpflegung, Versicherungsschutz und ein Taschengeld werden von den Entsende-Organisationen übernommen. Der Freiwilligendienst kann zudem anstelle des Zivildienstes anerkannt werden. Auch die Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen (ZVS) erkennt den Einsatz als Wartezeit an.
"Die Teilnahme soll nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängig sein", machte die Ministerin deutlich. Voraussetzung für die Teilnahme ist entweder ein Haupt- oder Realschulabschluss mit Berufsausbildung oder das Abitur.
"Das Programm bietet einen unbezahlbaren Zugewinn an interkultureller Kompetenz. Es ist eine praktische Form der Völkerverständigung und wer zurückkommt, wird bestimmt niemals zum Rassisten", sagte Wieczorek-Zeul geradezu euphorisch.
Von den bisher eingegangenen 3.000 Bewerbungen seien überraschend viele von Menschen mit Haupt- und Realschulabschluss gekommen. "Gerade für diese Schulzweige gibt es bisher kaum Angebote, so dass mich die große Resonanz besonders freut", bemerkte Wieczorek-Zeul.
Die Anwesenden zollten dem Programm viel Lob, hatten aber auch noch einige Verbesserungsvorschläge. Die Förderung solle nicht nur in eine Richtung laufen, sondern junge Menschen aus Entwicklungsländern sollten auch die Möglichkeit erhalten, nach Deutschland zu kommen.
Zudem müsse darauf geachtet werden, dass vor Ort keine Arbeitsplätze weggenommen würden und die Projekte auch einen tatsächlichen Nutzen hätten.
"Wir sind erst in der Anfangsphase des Programms, wir werden es weiter ausbauen", versprach Wieczorek-Zeul abschließend.
Stephan Sonntag
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