25.02.2016 (fjh)
"Kritik an Sexismus und sexualisierter Gewalt darf nicht eingeschränkt werden", fordert der
Allgemeine Studierendenausschuss (AStA). Deshalb hatte sich auch der AStA Marburg einer Solidaritätsaktion mit Frankfurter Studierendenvertretern angeschlossen, die sich gegen das Auftreten sogenannter "Pick-up-Artists" wendet. Einen Artikel zum Thema "Sexismus" hatte er auf seiner Internetseite veröffentlicht, nachdem der Anwalt einer Pick-up-Agentur dessen Veröffentlichung in einer Frankfurter Studierendenzeitschrift untersagt hatte.
Die Kanzlei hat dem AStA Marburg daraufhin eine Abmahnung zugeschickt. Darin verlangt der Anwalt eine hohe vierstellige Gebühr.
In Absprache mit seinem Anwalt hat der AStA Marburg nun eine Unterlassungserklärung unterschrieben. Darin verpflichtet er sich, auf eine Namensnennung und die Kenntlichmachung von Pick-up-Artisten zu verzichten und den betreffenden Text nicht mehr zu veröffentlichen. Das Thema "Sexismus" hingegen will die Studierendenvertretung ebenso weiter thematisieren wie die Aktititäten von "Pick-up-Artists".
"Die Pick-up-Szene ist sehr vielfäftig", erläuterte Elisabeth Kula vom AStA Marburg. "Es gibt Agenturen, die Männer regelrecht coachen, wie sie Frauen angraben."
Das Problem dabei sei, dass die Kontakte nicht immer einvernehmlich seien: "Ein Nein wird oft nicht akzeptiert, sondern sogar als Anreiz verstanden, weiterzumachen", erklärte Kula. Deswegen findet sie die Kritik an dieser Szene nicht nur berechtigt, sondern notwendig.
Auch den Vorwurf, der AStA habe sich damit - in Überschreitung seines Mandats - allgemeinpolitisch geäußert, weist sie zurück: "In Frankfurt gab es mehr als 50 Beschwerden über entsprechende Vorfälle auf dem Campus. Auch in Marburg hat es das bereits gegeben."
Die - an der Solidaritätsaktion beteiligten - Studierendenvertretungen hoffen nun auf eine noch breitere Unterstützung bei ihrem Engagement gegen Sexismus. Zumindest die Drohung mit immens hohen Abmahngebühren kann ein demokratischer Rechtsstaat kaum akzeptieren, wenn er Meinungsfreiheit und sexuelle Selbstbestimmung ernst nimmt.
Franz-Josef Hanke
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