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Spiel im Schatten


"Was ihr wollt" unterhält und verwirrt

21.02.2016 (jhn)
Komisch und geheimnisvoll präsentiert sich das neueste Stück des Hessischen Landestheaters Marburg. Die Komödie "Was ihr wollt" von William Shakespeare hatte am Samstag (20. Februar) vor vollem Haus Premiere.
Schein oder nicht Schein, könnte die Interpretation des Shakespeare-affinen Zuschauers dieser Inszenierung lauten. Im Land Illyrien nämlich, dem fiktiven Schauplatz des Stückes, wartet die Illusion. Intendant und Regisseur Matthias Faltz weicht dabei leicht vom Originalstoff Shakespeares ab und beschränkt sich auf das Wesentliche in diesem Spiel der Verwirrung und Täuschung.
"Was ihr wollt" ist die Geschichte der jungen Viola, die als Fremde nach Illyrien kommt und sich in den Herzog Orsino verliebt. Sie verkleidet sich als Mann, nennt sich Cesario und erlangt so als Diener die Gunst des Herzogs. Seinem neuen Vertrauten gibt er die Aufgabe, der schönen Olivia seine Liebe zu ihr mitzuteilen.
Doch anstatt ihr Herz für Orsino zu erweichen, verliebt sich Olivia in den vermeintlichen Cesario. Die Verwirrungen entladen sich schließlich, als auch noch Violas totgeglaubter Zwillingsbruder Sebastian
in Illyrien auftaucht.
Das herrliche Spiel der Missverständnisse wird eingerahmt von der komisch angelegten Geschichte des mürrischen Malvolio. Dem Verwalter Olivias spielen ihr notorisch betrunkener Onkel Junker Tobias und ihre Dienerin Maria übel mit.
Vor allem Jürgen Helmut Keuchel brilliert hier als Junker Tobias. Mit unfassbarer Authentizität und Inbrunst interpretiert er den trotz seines Alkoholkonsums scheinbar einzigen bei Verstand gebliebenen Charakter und hat dabei nicht nur optisch etwas Piratenhaftes.
Tobias Rationalität gegenüber stehen der eitle und melancholische Orsino, den Camil Morariu mit ausladender - fast expressiver - Gestik zu komischer Perfektion bringt, und der von sich und seinen Bedürfnissen eingenommene Malvolio, in dem Ogün Derendeli vollends aufgeht. Mal schlecht gelaunt, mal freudig entzückt wechselt er bis hin zur Verrücktheit, die seiner Rolle angehängt wird.
Vor allem die komödiantischen Figuren gefallen. Da ist es nicht verwunderlich, dass Lene Dax in ihrer zwar zentralen - aber wenig anspruchsvollen - Rolle als Viola alias Cesario beziehungsweise Sebastian etwas untergeht.
Hilfreich im Drunter und Drüber der Emotionen ist der Einsatz des Lichts. Die Bühne liegt im Dunkeln; vereinzelte Lichtkegel setzen Akzente und lenken die Aufmerksamkeit des Zuschauers.
So entsteht eine geheimnisvolle Atmosphäre, die durch buschmusikähnliche Klänge bei Szenenwechseln unterstrichen wird. Die Illusion wird dadurch allgegenwärtig.
Der Verzicht auf ein Bühnenbild erlaubt dem Zuschauer die volle Konzentration auf die Darsteller. Lediglich zwei vertikal bewegliche Bühnenelemente und ein drehbares Element am vorderen Bühnenrand, die in den Boden eingelassen sind, sorgen für zusätzliche Dynamik. Die Darsteller profitieren mit ihrem bisweilen grotesken Spiel von dem beweglichen Boden und heizen den Reigen der Täuschungen an.
Die Inszenierung verlässt sich zurecht auf ihre Schauspieler und verzichtet auf pompöses Drumherum, das vom Eigentlichen ablenken könnte. Witz und Verwirrung stehen im Vordergrund.
Bisweilen nehmen sie dem Stück durch Vorhersehbarkeit aber auch die Spannung. Schade ist auch, dass durch die Pause nach etwa zwei Dritteln des Stücks eine Erwartungshaltung für den letzten Teil geweckt wird, die das Stück nicht mehr erfüllen kann.
Die Auflösung folgt rasch und ohne weitere Zwischenfälle. Das Ende kommt plötzlich.
Doch der Spaß überwiegt im Reich der Illusion Illyrien. "Illyrien" ist ein doppeltes Wortspiel, denn auch lyrisch hat "Was ihr wollt" einiges zu bieten.
Jonas Neureither
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