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Neue Forschung


Turowska und Schraub erhielten MarBiNa-Förderpreis

19.02.2016 (ms)
Zum zweiten Mal ist der Marburger Biotechnologie- und Nanotechnologie-Förderpreis (MarBiNa) für wissenschaftliche Leistungen mit Praxisbezug vergeben worden. Preisträger 2015 sind die Immunbiologin Dr. Agnieszka Turowska und der Materialwissenschaftler Dr. Martin Schraub. Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies übergab die Auszeichnung am Dienstag (16. Februar) im Rahmen einer Feierstunde im Historischen Saal des Rathauses.
Seit 2014 lobt die Initiative Biotechnologie- und Nanotechnologie (IBiNa) den MarBiNa-Förderpreis für außergewöhnliche wissenschaftliche Leistungen mit hohem wirtschaftlichem Praxisbezug an junge Marburger Forscher in den Bereichen Biotechnologie und Nanotechnologie aus. In diesem Jahr waren zwei der eingereichten Arbeiten so herausragend, dass sich das sechsköpfige Auswahlgremium mit namhaften Persönlichkeiten aus Wissenschaft und Wirtschaft zur Teilung des Preises entschieden hat. Der MarBiNa-Förderpreis ist 2015 mit jeweils 3000 Euro, einer Urkunde und einem Preisobjekt dotiert.
Oberbürgermeister Spies wies als Vorsitzender der IBiNa darauf hin, dass diese Initiative von der Stadt initiiert wurde, um die Zusammenarbeit von Wissenschaft und Wirtschaft an deren Schnittstelle zum Vorteil beider Seiten und der Region zu fördern. „Wissenschaftstransfer ist weit mehr als Technologietransfer“, betonte er. Um Kommunikationsprobleme zwischen Universität und forschenden Institutionen auf der einen und innovationsorientierter Industrie auf der anderen Seite zu beheben, engagiere sich der eingetragene Verein.
Getragen wird die Initiative von namhaften Wissenschaftlern aus der Region sowie von vielen auf den Gebieten Biotechnologie, Nanotechnologie und Pharmazie tätigen Unternehmen sowie der Universitätsstadt Marburg. Ihr Ziel is, hochwertige Forschungsergebnisse in wirtschaftlichen Erfolg im überregionalen Wettbewerb für das Oberzentrum Marburg als innovativem Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort umzusetzen.
Marburg sei mit der Philipps-Universität, dem Universitätsklinikum, dem BSL-4-Hochsicherheitslabor, dem Max-Planck-Institut und der Pharmaindustrie bereits sehr gut aufgestellt. Alle - auch die Marburger - profitierten davon. Zahlreiche Veranstaltungen zum Thema würden gut angenommen, auch wenn die Arbeit der Initiative aus Geheimhaltungsgründen - für viele Forschungsergebnisse liegen noch keine Patente vor - eher im Stillen laufe und die Initiative öffentlich daher nicht so häufig auftrete, erklärte Spies.
Der Förderpreis diene dazu, hervorragende Arbeiten junger Wissenschaftler auch öffentlich zu würdigen, betonte der Oberbürgermeister. "Dass eine Kommune einen Wissenschaftspreis vergibt, ist nicht unbedingt üblich, sollte in Marburg aber eine Selbstverständlichkeit sein.“ Wie Spies erläuterte, müssten die Bewerber vorgeschlagen werden. "Alle, die so in die Auswahl kommen, haben deshalb Hervorragendes geleistet." Voraussetz seien ein Höchstalter von 35 Jahren und eine Arbeit mit Anwendungsbezug, die vor der Umsetzung steht.
Spies freute sich sehr über das große wirtschaftliche Potenzial bei gleichzeitig hoher Qualität der preisgekrönten Arbeiten. Für Marburg als Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort sei es sehr wichtig, seine Talente auf diesem Gebiet nachhaltig zu fördern und auf diesem Weg vorhandene Potenziale in wirtschaftliche Erfolge umzusetzen.
Turowska hat mit ihrer Arbeit einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung eines neuartigen Medikaments zur Asthma-Therapie geleistet. Sie ist Projektleiterin bei der sterna biologicals GmbH, die als Ausgründung aus der Abteilung Klinische Chemie und Molekulare Diagnostik der Philipps-Universität hervorgegangen ist.
Die Arbeit von Schraub stellt einen besonders gelungenen Übergang von wissenschaftlicher Forschung zu wirtschaftlicher Umsetzung dar: Zum Thema "Neue polymere Werkstoffe für ophthalmologische Implantate" konnte er bereits drei Patente anmelden. Vier weitere befinden sich in Vorbereitung.
Die grundlegenden wissenschaftlichen Arbeiten zu beiden Projekten sind jeweils in Marburg entstanden. Die Preisträger stellten im Rahmen des Festakts ihre ausgezeichneten Arbeiten in Kurzvorträgen vor.
"Wenn ein ganzes Orchester falsch spielt, hilft es nicht, bei einem einzelnen Musiker anzusetzen, sondern beim Dirigenten", verdeutlichte Turowska ihre wissenschaftliche Vorgehensweise. Asthma sei eine sehr komplexe Krankheit mit vielen Faktoren. Die neue Substanz setze jedoch bei der DNA an, um alle zu bekämpfen.
Die Neuentwicklung eines Medikaments dauere in allen Phasen bis zu 15 Jahren und sei sehr teuer, erklärte die Wissenschaftlerin. Nur eines von 10.000 komme schließlich auf den Markt. Die neue Substanz befinde sich mittlerweile in der Klinischen Phase und habe gute Chancen.
Wie Schraub berichtete, sei seine Arbeit die Fortführung seiner Doktorarbeit, die er in Marburg am Fachbereich Chemie der Philipps-Universität durchgeführt hat. Sein Forschungsgebiet "Neue polymere Werkstoffe für intraokulare Linsen mit einstellbarem Brechungsindex zur Wiederherstellung des Sehvermögens nach einer Kataraktoperation" beschäftige sich bei der Firma Merk in Darmstadt damit, neue Materialien für Linsen zu entwickeln, die nach der Operation mittels Laser noch so verändert werden können, dass auch eine Fehlsichtigkeit aufgrund des "Grauen Stars" beseitigt wird.
Bisher müssten Patienten oft noch mit bis zu drei Dioptrien nach der Operation rechnen. Schraub geht davon aus, dass der bisherige Versuch, eine Linse mit individuell anpassbaren optischen Eigenschaften zu entwickeln, auch erfolgreich in die Praxis eingeführt wird, da mit Herstellern von Okularlinsen inzwischen Verträge mit dem Ziel der klinischen Erprobung geschlossen wurden. Beide Preisträger betonten, dass der Erhalt des MarBiNa-Förderpreises eine große Ehre und zugleich Ansporn für die weitere Forschungsarbeit sei.
pm: Stadt Marburg
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