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Günstiger Verdacht


Stiftung verteilt 2,6 Millionen an 13 Forschungsprojekte

12.02.2016 (fjh)
Zum neunten Mal hat die von-Behring-Röntgen-Stiftung Fördermittel für medizinische Forschungsprojekte an der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) und der Philipps-Universität bewilligt. Über insgesamt 2,6 Millionen Euro für 13 Forschungsvorhaben konnten sich die Begünstigten freuen. Stellvertretend für ihre Arbeitsgruppen nahmen die Projektsprecher am Donnerstag (11. Februar) die Bewilligungsurkunden aus den Händen von Stiftungspräsident Friedrich Bohl entgegen.
Die Gelder stehen ab 2016 für Kooperationsprojekte mit gemeinsamer Beteiligung von Marburger und Gießener Wissenschaftlern sowie einzelne Forschungsvorhaben von Nachwuchswissenschaftlern bereit. Unter Anderem arbeiten sie an Themen aus den Bereichen Krebsforschung, Neurowissenschaften und Virologie.
Eine außerordentliche Förderung erfährt das Lungenforschungszentrum "Universities of Giessen and Marburg Lung Center (UGMLC). Das zuvor vom hessischen Forschungsförderprogramm LOEWE unterstützte Zentrum bündelt die experimentelle und klinische Lungenforschung in Gießen, Marburg und Bad Nauheim und ist eines der international führenden auf dem Gebiet der Erkrankungen der Lunge und der Atemwege. Durch die Unterstützung von vier Projekten und einer Professur trägt die Von-Behring-Röntgen-Stiftung dazu bei, die Verstetigung des Zentrums zu sichern.
Die diabetische Retinopathie ist eine durch die Zuckerkrankheit "Diabetes mellitus" hervorgerufene Erkrankung der Netzhaut des Auges. Sie ist eine der Hauptursachen für Erblindungen im erwerbsfähigen Alter.
Bisherige Therapien können den Verlauf der Erkrankung nur verzögern. Ziel des Projekts von Prof. Dr. Cornelia Deeg aus Marburg, Prof. Dr. Knut Stieger und Prof. Dr. Birgit Lorenz aus Gießen sowie ihrer Kooperationspartnerin Dr. Stephanie Hauck aus München ist es, am Tiermodell zu untersuchen, welche Stoffwechselprozesse zu einer Veränderung der Netzhaut führen. Mit 260.000 Euro wird das Projekt mit dem Titel "„Identifikation, Charakterisierung und Beein­flussung von Pathogenesemechanismen bei der diabetischen Retinopathie" gefördert.
Die Influenza (Grippe) ist eine hochansteckende Erkrankung der Atemwege. Jedes Jahr erkranken daran etwa 10 Prozent der Weltbevölkerung. 5 Millionen dieser Krankheitsfälle verlaufen laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) schwer, davon 500.000 sogar tödlich.
Prof. Dr. Eva Friebertshäuser will untersuchen, warum sich ein bestimmter Influenzasubtyp in der Lunge ausbreitet und zu Lungenentzündungen führen kann. 100.000 Euro erhält die Marburger Nachwuchswissenschaftlerin für ihr Projekt "Molekulare Mechanismen der Protease-Spezifität humaner Influenza-Viren".
Die bronchopulmonale Dysplasie ist eine chronische Lungenerkrankung des Frühgeborenen, die zu einer lebenslangen Beeinträchtigung der Lungenfunktion führt. Darüber hinaus besteht ein hohes Risiko einer Einschränkung in der weiteen körperlichen und geistigen Entwicklung.
In ihrem Kooperationsprojekt wollen Dr. Harald Erhardt aus Gießen und Prof. Dr. Michael Zemlin aus Marburg untersuchen, welchen Einfluss Vitamin A auf die Entzündungsreaktion der Lunge der Patienten hat. 180.000 Euro werden für das Projekt "Wirkung von Vitamin A auf die pulmonale Inflammationsreaktion und die extrazellu­läre Matrix bei extrem kleinen Frühgebore­nen" zur Verfügung gestellt.
Moderne Krebstherapien setzen bei der Behandlung von Tumorerkrankungen auf Immuntherapien, mit denen in den vergangenen Jahren bereits bedeutende Erfolge erzielt wurden. Mit 160.000 Euro wird das Kooperationsprojekt von Dr. Cristian Bauer aus Marburg und Prof. Dr. Andre Menke aus Gießen mit dem Titel "T-Zell-Dysfunktion im Pankreaskarzinom­modell: Rolle von IL-18 und IL-1β bei der Induktion von Exhaustion-Phänomenen und Einfluss auf molekulare Mechanismen der Tumorprogression" gefördert.
Erkrankungen der Nierenkörperchen stellen eine der Hauptursachen für Nierenerkrankungen bei Kindern und Erwachsenen dar. Ziel des Kooperationsprojekts von Prof. Dr. Ivica Grgic aus Marburg und Prof. Dr. Norbert Weißmann aus Gießen ist die Aufklärung der Entstehung chronischer Nierenerkrankungen, die von einem fortschreitenden Funktionsverlust bis hin zum Versagen des Organs führen können. Für ihr Forschungsvorhaben "Die Bedeutung von TRPC6-Funktionen für die Regulation von Genexpressionssignatu­ren in Podozyten der Niere" erhalten sie 159.000 Euro.
Tiermodelle sind trotz aller Fortschritte bei der Entwicklung von Alternativmethoden zum Tierversuch bisher noch unverzichtbar für die onkologische Forschung. Die Marburger Nachwuchswissenschaftler Dr. Joel Charles und Dr. Sabrina Elmshäuser wollen ein schonenderes Verfahren einführen, bei dem die Versuche bereits in einem sehr frühen Krankheitsstadium und dadurch weniger belastend für die Tiere durchgeführt werden können. Für die "Optimierung des Tierschutzes in der Tumor­forschung durch Untersuchung experimen­teller Tumorphänotypen mittels sekre­tierter Luciferasen" erhalten sie 192.000 Euro.
"Alexithymie" bezeichnet die Unfähigkeit, Gefühle wahrzunehmen, auszudrücken oder zu beschreiben. Das auch als "Gefühlsblindheit" bezeichnete Persönlichkeitsmerkmal betrifft etwa 10 Prozent der Bevölkerung, wobei es bei bestimmten psychischen Erkrankungen wie Depressionen oder Angststörungen um ein zweifaches erhöht ist.
In ihrem Projekt wollen Prof. Dr. Andreas Jansen und Kristin Zimmermann aus Marburg sowie ihr Gießener Kooperationspartner Prof. Dr. Frank Leweke den Einfluss von Gefühlsblindheit auf die Entste­hung und Entwicklung psychischer Erkrankungen untersuchen. Ziel des mit 160.000 Euro geförderten Forschungsvorhabens ist es, auf Grundlage von neuronalen Netzwerkanalysen anhand bildgebender Verfahren neue Therapieprogramme zu entwickeln.
Infektionen der Lunge zählen zu den häufigsten Todesursachen des Menschen. Die Erforschung der molekularen Vorgänge, die eine lebensgefährliche Lungenentzündung bewirken, ist durch den Mangel an Infektionsmodellen, die zur Forschung genutzt werden können, jedoch eingeschränkt.
Der Marburger Nachwuchswissenschaftler Dr. Leon Schulte will mit Hilfe eines humanen 3-D-Gewebemodells die Untersuchung von Krankheitserregern verbessern. 170.000 Euro erhält er für sein Projekt "Alveoläre 3D-Gewebemodelle zur Untersuchung Primaten-spezifischer regulatorischer RNAs in der angeborenen Immunität der Lunge".
Beim Lungenhochdruck liegt ein erhöhter Blutdruck im Lungenkreislauf vor. Er entsteht häufig infolge anderer Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems.
Ziel des Projekts von Prof. Dr. Ralph Schermuly und seiner Kollegin Dr. Susanne Herold ist die Aufklärung der Rolle bestimmter Fresszellen - Macrophagen - bei der Entwicklung der Krankheit. 300.000 Euro erhalten die Gießener Wissenschaftler für ihr Projekt ""The mononuclear phagocytic system: contribution to maladaptive pulmonary vascular remodeling".
Asthma ist eine chronische entzündliche Erkrankung der Atemwege, die in der Regel bereits im Kindesalter beginnt. Etwa 10 Prozent der Kinder und etwa 5 Prozent der Erwachsenen sind betroffen.
In ihrer Studie wollen Prof. Dr. Harald Renz, Prof. Dr. Michael Zemlin, Prof. Dr. Rembert Koczulla, Dr. Timm Greulich und Dr. Hani Harb den epigenetischen Fingerabdruck bei Asthmatypen verschiedener Altersgruppen beschreiben. Langfristiges Ziel ist die die Entwicklung neuer Therapiekonzepte zur besseren Versorgung von Patienten mit chronisch-entzündlichen Erkrankungen. 225.000 Euro erhalten die Marburger Wissenschaftler für ihr Projekt mit dem Titel "Epigenetische Signaturen bei unterschiedlichen Asthma-Endotypen im Vergleich zwischen Kindern und Erwachsenen".
Die idiopathische pulmonale Fibrose ist eine besonders aggressive Form der Lungenfibrose mit sehr schlechter Prognose. Von der Erkrankung Betroffene versterben innerhalb weniger Jahre nach der Diagnose. Bisherige Behandlungsmöglichkeiten können den Krankheitsverlauf nur verlangsamen, nicht aufhalten.
Ziel des Projekts der Gießener Nachwuchswissenschaftlerin Dr. Poornima Mahavadi, von Prof. Dr. Andreas Günther, Dr. Natascha Sommer und Prof. Dr. Norbert Weißmann ist es, neue therapeutische Strategien zu entwickeln. 225.000 Euro erhält sie für ihr Projekt "Understanding the endoplasmic reticulum and mitochondrial crosstalk in the alveolar epithelium in idiopathic pulmonary fibrosis".
Ebenfalls an der Lungenfibrose forschen die Gießener Wissenschaftler Dr. Soni Pullamsetti und Dr. Rakjumar Savai. Ihr Projekt "FoxO-targeting strategies for the treatment of lung fibrosis“ wird mit 300.000 Euro gefördert.
Für die Forschungsarbeit von Prof. Dr. Christos Samakovlis stellt die Von-Behring-Röntgen-Stiftung 300.000 Euro zur Verfügung. Samakovlis ist im Jahr 2014 vom Karolinska-Institut in Stockholm an das Lungenforschungszentrum UGMLC als Professor für Molekulare Pneumologie berufen worden.
pm: von-Behring-Röntgen-Stiftung
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