11.02.2016 (fjh)
Das neue Bildungsbauprogramm (BiBaP) haben Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies, Bürgermeister Dr. Franz Kahle und Stadträtin Dr. Kerstin Weinbach am Mittwoch (10. Februar) vorgestellt. Damit immer mehr Schüler von Bildung mit hoher Qualität profitieren können, soll es in den nächsten fünf Jahren in Schulen investieren. Es gibt viel zu tun an den 26 Marburger Schulstandorten.
Zwischen 2004 und 2014 hat die
Universitätsstadt Marburg knapp 50 Millionen Euro in den Schulbau investiert. Davon kamen 16 Millionen aus dem Konjunkturprogramm.
Jetzt wird die Stadt in fünf Jahren 30 Millionen investieren. Damit wird jährlich eine Million Euro mehr in den Bildungsbereich fließen. Das entspricht einer Steigerung von 20 Prozent, die die Stadt auch ohne Einbeziehung eines staatlichen Konjunkturprogramms ausgeben will.
"Damit wollen wir aus eigener Kraft über das Niveau des Konjunkturprogramms hinaus", machte Spies deutlich. Dieses hohe Investitionsniveau werde mit zwei neuen Dingen verbunden: Zum einen gebe es einen konsequenten Beteiligungsprozess der Schulgemeinden, zum anderen die größtmögliche Planbarkeit für die Schulen.
"Jede Schule soll sich darauf verlassen können und verbindlich wissen, woran sie in den nächsten fünf Jahren ist", ergänzte Weinbach. Natürlich werde es auch Vorschläge geben, die zwar schön, aber jetzt noch nicht möglich seien. Diese Wünsche müssten dann auf BiBaP II warten, führte Spies weiter aus.
"Das ist keineswegs eine triviale Aufgabe", erklärte der Oberbürgermeister. "Aber wir haben keine Zweifel, dass das klappt."
Was den Beteiligungsprozess betrifft, so haben die Vorbereitungen bereits begonnen: In der ersten Februar-Woche wurde in einer Schulleiterkonferenz sowie mit dem Stadtelternbeirat und den Elternbeiräten der Schulen gesprochen, um auf das Projekt vorzubereiten. In einem ersten Schritt sollen die Schulen nun ihre Vorschläge bis zu den Osterferien einreichen.
Bis Mitte Mai erarbeitet die Verwaltung mit dem Schul- und Bauamt aus den Eingängen einen Vorschlag. Bis Mitte Juni wird eine Projektgruppe den Verwaltungsvorschlag überarbeiten und eine Empfehlung erstellen. Die Projektgruppe besteht aus fünf Vertretungen von Schulleitungen, zwei Vertretungen des Stadtelternbeirats, zwei Vertretungen des Gesamtpersonalrats, zwei Vertretungen des Kinder-und Jugendparlaments (KiJuPa), einer Vertretung des Behindertenbeirats, dem Oberbürgermeister, dem Bürgermeister, der Stadträtin sowie aus Mitarbeitern des Fachdiensts Schule und des Fachdiensts Planen, Bauen, Umwelt.
"Das ist wichtig, damit wir an der Stelle über die Prioritätensetzung einen größtmöglichen Konsens erreichen", machte Oberbürgermeister Spies deutlich. An vielen Stellen sei nicht frei zu verhandeln, da viele Dinge nötig seien. Man müsse prüfen, in welcher Reihenfolge man vorgehe, erläuterte Spies.
"Legt man sich auf fünf Jahre fest, ist es zudem wichtig, dass sich alle fair behandelt fühlen", stellte Spies fest. "Nur so kann man eine größtmögliche Akzeptanz erreichen." Das Ergebnis wird schließlich in der Septembersitzung der Stadtverordnetenversammlung zur Entscheidung vorgelegt.
Allerdings gebe es Schwerpunktsetzungen, die für das Programm gelten: Die Investitionsmittel sollen eingesetzt werden, um notwendige Sanierungen und Ergänzungen umzusetzen und den Raumbedarf auf dem Weg zur Ganztagsschule zu decken. Inklusion soll konsequent gesichert und in Fachräume für moderne Unterrichtsmethoden investiert werden.
Darüber hinaus sollen Schulsporthallen modernisiert und Arbeitsbedingungen auch der Lehrkräfte verbessert werden. Wichtig dabei sei, dass in das fünfjährige Programm nur Maßnahmen über 100.000 Euro aufgenommen werden. Kleinere oder unvorhersehbare Vorhaben - aber auch der Brandschutz - werden getrennt davon behandelt.
"Deshalb wird mit großer Disziplin vorgegangen werden müssen", machten die Dezernenten deutlich. Einig waren sie sich auch darin, dass die Teilhabe an Kultur ein wichtiger Baustein für Bildung ist.
Kunst und Kultur bestimmen die Denkfähigkeit für andere Lebensbereiche. Zugleich bestimmen kulturelle Besitztümer den sozialen Status. Daher ist die Förderung für Kinder und Jugendliche in diesem Bereich elementar, wenn man Chancengleichheit einerseits und Teilhabe am Genuss kultureller Schätze andererseits für alle ermöglichen will.
Aus diesem Grund wird die Stadt konsequent mit einem kleinen Teil von etwa einem bis zwei Prozent auch in Kunst am Bau investieren. Das gilt für die Museumsmeile oder Schulen und andere wichtige neue oder sanierte Gebäuden.
"Das kann beispielsweise eine Plastik zum Anfassen für Schülerinnen und Schüler sein, auf der geklettert und die kindgerecht erlebt werden kann", erläuterte das Stadtoberhaupt. Schuldezernentin Weinbach fügte hinzu: "Nichts ist so geeignet wie Kunst im öffentlichen Raum, um einen spielerischen Zugang zu ermöglichen."
Aber auch Gestaltungsformen auf hohem professionellem Niveau wären denkbar, meinte der Oberbürgermeister. Der zentrale Punkt dabei sei, dass Schule ein Ort sein müsse, der schön aussieht und an dem man sich wohlfühlen kann. Das sei eine der Voraussetzungen von Bildungserfolg.
Kunst am Bau sei darüber hinaus auch ein Vermittlungsweg, um über die Alltäglichkeit den Zugang zu Kunst und Kultur zu erleichtern. "Das wollen wir an dieser Stelle integrieren", erklärte Spies. "Die Gestaltung von Schulen ist auch eine bildungspolitische Frage, jenseits der Frage von Räumen und Technik."
Bürgermeister Kahle betonte: "Letztlich betreiben wir mit der Investition auch nachhaltige Haushaltspolitik und soziale Zukunftssicherung." Die Stadt sei bestrebt, bei jedem Neubau die energetischen Verbrauchswerte und Betriebskosten erheblich zu senken. "Darüber hinaus hängen viele Probleme im Jugend- und Integrationsbereich ursächlich damit zusammen, wie viel Städte in Bildungs- und Fortbildungseinrichtungen investieren und somit räumlich und sächlich in der Lage dazu sind, zentrale Aufgabenstellungen zu erfüllen."
Das Programm sei nach ersten Gesprächen mit allen Beteiligten auf große Zustimmung gestoßen, berichteten die Dezernenten. Auf diesem Weg wird so eine Festlegung geschaffen, die die Priorität auf Bildung legt und gleichzeitig Klarheit, Sicherheit und Verlässlichkeit schafft.
Die Universitätsstadt Marburg hatte bereits in den vorangegangenen Jahren viel getan, angefangen von den Schulhofsanierungen, den neuen Betreuungsräumen an Grundschulen, der Schaffung von Schulmensen wie an der Elisabethschule und der Adolf-Reichwein-Schule über das Einrichten von modernen Unterrichtsräumen wie am Phillippinum oder der Martin-Luther-Schule. Schulen müssen Orte sein, an die Kinder gerne gehen. Daher ist es ein Anliegen von Oberbürgermeister Spies, Bürgermeister Kahle und Stadträtin Weinbach, diesen hohen Standard der Stadt Marburg aufrechtzuerhalten, auch wenn die finanzielle Unterstützung des
Landes Hessen und des Bundes wegfallen.
pm: Stadt Marburg
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