19.01.2016 (fjh)
Neben einer positiven Grundhaltung gehören ganz praktische Hinweise und Handreichungen zur Willkommensstrategie des
Landkreises Marburg-Biedenkopf für Flüchtlinge und Asylbewerber. Tipps und nützliche Informationen für die, die sich ehrenamtlich bei der Betreuung und Begleitung von Asylsuchenden einsetzen, sind ein weiterer Baustein. Beides bietet der Kreis in Papierform und digital.
"Die Menschen, die bei uns Schutz suchen, kommen aus anderen Ländern und oft auch aus anderen Kulturkreisen", sagte der Erste Kreisbeigeordnete Marian Zachow bei der Vorstellung des Willkommenspäckchens im Landratsamt. "Sie haben eine lange Flucht hinter sich und brauchen hier jetzt Hilfestellung, um sich zu orientieren."
Dazu gehöre die unmittelbare Art, sich in der neuen Umgebung zurechtzufinden. Dazu gehöre aber auch, Sprachhürden zu überwinden. "Sprache ist der Schlüssel zur Integration", betonte Zachow.
Bestandteil des Päckchens, das der Kreis jedem Asylbewerber übergibt, ist deshalb auch ein kleines Bilderbuch mit 1.200 Abbildungen von Gegenständen aus dem täglichen Leben und ihre Bezeichnung in deutscher Sprache von A wie "Abfalleimer" bis Z wie "Zahnbürste". Aufgelistet sind Lebensmittel, Tiere, Landschaften oder Verkehrsmittel.
Um sich zu verständigen, können diejenigen, die noch nicht deutsch sprechen, auf den abgebildeten Gegenstand zeigen. Dazu dienen auch zwei Blätter mit verschiedenen Symbolen, die zum Beispiel die Verständigung beim Arztbesuch oder Behördengang erleichtern. "Dies erleichtert insbesondere in den ersten Tagen und Wochen die Verständigung für beide Seiten", ist sich auch Claus Schäfer vom Büro für Integration des Kreises sicher.
Neben dieser Handreichung, die die Verständigung erleichtern soll, finden die Asylbewerber Informationen über den Landkreis Marburg-Biedenkopf und über die Universitätsstadt Marburg sowie Informationen über den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) in englischer Sprache in dem Päckchen. "Wir haben auch das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland in arabischer Sprache beigelegt", erklärte Zachow.
"Das soll den Menschen Orientierung in unserem Rechts- und Wertesystem geben", betonte er. "Aspekte wie die Meinungsfreiheit, die Gleichberechtigung von Mann und Frau oder die Rechtsstaatlichkeit sind uns wichtig und die Basis des gesellschaftlichen Zusammenlebens in Deutschland. Das möchten wir den Menschen vermitteln."
Hinzu kommen Informationen zu Projekten des Kreises für Asylsuchende wie zum Beispiel "VOICE". "Wir werden dieses Päckchen laufend weiter entwickeln und bei Bedarf mit weiteren Inhalten ergänzen", kündigte der Kreisbeigeordnete an.
Ein weiterer Baustein der Willkommensstrategie sind konkrete Hilfestellungen für Ehrenamtliche. Auch sie sind auf der Homepage des Kreises abrufbar.
Eine 24 Seiten starke Broschüre enthält wichtige Informationen, Kontakte und Ansprechpartner. Dazu gehören auch die Beantwortung rechtlicher Fragen, Fragen zum Versicherungsschutz, Alltagsfragen oder allgemeine Fragen zum Asylverfahren. Ergänzt wird die Broschüre mit Hinweisen auf mögliche Formen der ehrenamtlichen Unterstützung und auf Angebote des Landkreises Marburg-Biedenkopf.
Mohammad H. aus Syrien studierte vor seiner Flucht Grafik-Design und kam zusammen mit seiner Mutter, zwei Geschwistern und seinem Onkel über München im September in den Landkreis. Er verdeutlichte, dass sie sich jetzt etwas eingelebt hätten und erst jetzt in der Lage seien, Pläne für ihre Zukunft zu entwickeln. Er bedankte sich für die Hilfe.
Auch Anwar B., der aus Afghanistan im September über München zusammen mit seiner Mutter und drei Brüdern in den Landkreis kam, berichtete in bereits erstaunlich gutem Deutsch, dass er hier viele nette Leute kennengelernt habe. "Ich hatte das Gefühl, noch einmal neu geboren zu werden", sagte er. Die Zeit werde dabei helfen, auch die neue Kultur kennenzulernen.
"Die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer leisten sehr wichtige Arbeit und bieten den Asylsuchenden eine helfende Hand, um sich in unserer Gesellschaft zurechtzufinden", bedankte sich Zachow. "Auch damit erreichen wir, dass aus der Willkommenskultur eine lebendige Miteinanderkultur wird."
pm: Landkreis Marburg-Biedenkopf
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