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Besser als geglaubt


Neujahrsempfang erstmals mit OB Spies

17.01.2016 (fjh)
"Oberbürgermeister dieser Stadt zu sein, ist noch viel großartiger als geglaubt." Mit diesem Bekenntnis eröffnete Dr. Thomas Spies am Samstag (16. Januar) den Neujahrsempfang in der Großsporthalle. 1.400 Menschen standen auf der Gästeliste der alljährlich wiederkehrenden Großveranstaltung mit einem Resümee des abgelaufenen und einem Ausblick auf das beginnende Jahr.
Erstmals trat Spies dabei als Oberbürgermeister ans Mikrofon. Ausführlich breitete er seine Agenda für die Wahlperiode bis 2021 aus. Am 1. Dezember 2015 hatte er seine sechsjährige Amtszeit als Oberbürgermeister der Universitätsstadt Marburg angetreten.
Bildung bezeichnete er als zentrales Anliegen zur Begründung Sozialer Gerechtigkeit. Deshalb möchte er ein "Bildungsbauprogramm" (BiBaP) auflegen, das eine Liste der wichtigsten Bauprojekte im Bildungsbereich für die nächsten fünf Jahre aufstellt ud damit Planungssicherheit für die Schulen und die städtischen Bildungseinrichten schafft. Der Stadtverordnetenversammlung (StVV) möchte er dieses Vorhaben bereits zur nächsten Sitzung zuleiten.
Ähnlich möchte Spies auch Bushaltestellen barrierefrei umbauen. "Auch für mich ist das bequemer", begründete er die großangelegte Aufpflasterungsaktion. Hilfreich sei dabei, dass die Stadt einen Teil der Kosten aus Mitteln des Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetzes (GVFG) erhalte.
Hatten zwei Kinder aus einem Kurs der Musikschule Marburg den Empfang mit ihrem Klavierspiel eröffnet, so spielte ein Syrer zwischendurch auf dem "Kanun". Das ist eine Art arabische Zither. Besonders erstaunt waren viele, als er auf diesem Instrument auch ein bekanntes Musikstück von Antonio Vivaldi vortrug.
"Die vier Jahreszeiten auf dem Kanun sind eine Bereicherung", freute sich Spies. Die rund 1.000 Flüchtlinge, die in Marburg leben, solle man unterstützen und ihnen keine Aufgabe ihrer Tradition und Kultur abverlangen.
"Kunst ist wichtig", sagte Spies. Sie eröffne den Menschen einen anderen Zugang zur Interpretation der Gegenwart und helfe ihnen so, sich ihres eigenen Lebens zu vergegenwärtigen. Darum plädierte er für anfassbare und begehbare Kunst am Bau als Vermittlung eines alltäglichen Zugangs zur Kultur für alle Menschen.
"Marburg ist eine kleine enge Stadt zwischen zwei Bergzügen", betonte Spies. Gegenseitiger Respekt sei unerlässlich, wenn alle gut miteinander in dieser Stadt leben wollten. Das gelte sowohl für die Rücksicht der Autofahrer auf Radler und Fußgänger wie auch auf die Rücksicht der Radfahrer auf Fußgänger.
Jeder Autofahrer solle sich überlegen, ob er durch die enge Innenstadt fahren müsse, um sein Ziel zu erreichen. Prüfen solle er auch, ob es andere Wege zum gewünschten Ziel gebe oder er vielleicht auch andere Verkehrsmittel nutzen könne.
Das gelte ganz besonders für die Nordstadt, deren Entwicklung in den nächsten Jahren weitere Fortschritte machen werde. Ob diese Entwicklung gut gelinge, hänge vor Allem von dem verantwortlichen Handeln gerade auch der Autofahrer ab, die den Durchgangsverkehr dort deutlich reduzieren müssten.
"Die Privatisierung des Universitätsklinikums vor zehn Jahren war ein Fehler und bleibt ein Fehler", erklärte Spies unter tosendem Beifall. Allerdings helfe es nicht, darüber weiterhin zu jammern; vielmehr müsse man versuchen, das Beste aus der gegebenen Situation zu machen.
Dem Oberbürgermeister schwebt vor, Marburg zu einer "Gesundheitsstadt" auszubauen. Vor allem möchte er das im Bereich der Krebsvorsorge versuchen. Insgesamt aber ist dem Arzt die Prävention und ein gerechterer Zugang zu Gesundheitsleistungen wichtig.
"Begüterte Menschen leben in Deutschland im Schnitt zehn Jahre länger als Minderbemittelte", empörte sich Spies. Deswegen will er medizinische Angebote für sozial benachteiligte Menschen wie beispielsweise Obdachlose ausbauen. Gerade die medizinische Prävention sei ein Bereich, den man vor Ort gestalten könne und seiner Ansicht nach auch müsse.
Als letzten Punkt seiner Agenda stellte Spies eine feste Verankerung der Bürgerbeteiligung bei anstehenden Projekten vor. Bürgerentscheide nach Abschluss von Planungen seien rechtswidrig und würden nur zu weiterer "Politikverdrossenheit" führen, warnte er. Vielmehr müsse Bürgerbeteiligung immer frühzeitig erfolgen.
Das letzte Wort hätten dann freilich die gewählten Vertreter der Bevölkerung in der StVV. Eindringlich rief Spies darum zur Teilnahme bei der Kommunalwahl am Sonntag (6. März) auf: "Egal, wen Sie wählen; gehen Sie hin und geben sie dem Parlament die nötige Legitimität!"
Seine Rede beendete Spies mit dem Versprechen: "Das nächste Jahr werde ich kürzer reden." Der anschließende Applaus bezog sich freilich vor allem auf die vielen Punkte, die er zuvor dargestellt hatte.
Franz-Josef Hanke
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