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Guth gelungen


Kabarettist karikierte Kaufwünsche von Kindern

07.11.2015 (fjh)
"Moderne Männer" haben"s schwer. Davon weiß Martin Guth ein Lied zu singen. Mit seinem neuen Programm "Meine Frau, ihr Mann und ich" gastierte der Kabarettist aus der Wetterau am Freitag (6. November) in der - bis auf wenige Plätze ausverkauften - Waggonhalle.
Erst hat seine Frau ihn zum "Sitzpinkler" dressiert, dann ist sie mit einem Bodybilder durchgebrannt. Alls alleinerziehender Vater muss er sich nun um seine drei Töchter kümmern.
Mit satirischer Überzeichnung und vielen - oft durchaus feinsinnigen - Wortspielen nimmt Guth Alltagssituationen auf die Schippe. Das reicht vom Kindergeburtstag und Gesprächen mit besorgten Eltern über die Unverträglichkeiten und Allergien ihrer Kinder bis zum Sonntagsausflug mit den kleinen Nervensägen.
Eine gelungene Spitze gegen übertriebenes Anglismen-Marketing ist seine Schilderung eines Einkaufs in einer Nobel-Boutique an der Frankfurter Zeil. Das "Shop Assistent Model" ist "eine Hungerharke", die nur Englisch spricht, bis sie sich schließlich als Landpomeranze aus Watzenborn outet.
Zwischen seinen Erzählungen sang Guth selbst geschriebene Lieder auf ein Playback, das diesen Einlagen einen fast schlagerähnlichen Charakter verleiht. Besonders beeindruckend war ein Lied über Demenz, das ausnahmsweise nicht witzig, sondern nachdenklich und ernst daherkam.
Mit einem guten Schuss Selbstironie und viel Interaktion mit dem Publikum konnte Guth die Besucher in der Waggonhalle über mehr als zwei Stunden hinweg für sich einnehmen. Ein Höhepunkt war dabei die Schnellsprech-Einlage als Motivationstrainer, der mit nichtssagenden Phrasen die Zuhörenden vollquatscht.
Zu Höchstform lief Guth dann bei einem Exkurs zur hessischen Mundart auf. Dabei beschrieb er die Situation eines Autofahrers, der vor einer Metzgerei mit angeschlossener Gaststätte und Hotel gestrandet ist. Trotz des Hinweises "eigene Schlachtung" traut er sich hinein.
Die freundliche Begrüßung des Fremden durch die Einheimischen klingt dann ähnlich wie "Ei wie?". Wichtigste Redewendung des Abends ist: "Werner, mach mir noch mal"n Licher!" Die Wegbeschreibung zur nächsten Tankstelle ist "Als immer als nuff" und der Name des Nachbarorts grundsätzlich überall "Dreckskaff".
Nach dieser erhellenden Einführung ins mittelhessische Idiom hatte Guth endgültig alle Lacher auf seiner Seite. Damit erfüllte er auch das Versprechen, das sein Name dem Kabarettabend mit Musik bereits vorab vorangestellt hatte. Mit langanhaltendem Applaus bedankte sich das Publikum am Ende für die gute Unterhaltung mit Musik, Witz und viel Vergnügen.
Franz-Josef Hanke
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