06.08.2015 (jkl)
Mit einem Streit über die Ausstellung von echten Skalps im Karl-May-Museum in Radebeul befasst sich die Marburger Studentin Anna Schneider. An der
Philipps-Universität studiert sie den Masterstudiengang "North American Studies".
Der Schwerpunkt der 25-jährigen Studentin liegt auf der Beschäftigung mit den indigenen Völkern Nordamerikas. 2014 war sie zu einem Auslandssemester an der University of Saskatchewan im kanadischen Saskatoon.
Seit dem Frühjahr 2015 ist Schneider wieder zurück in Marburg. Mit der Ausstellung im Karl-May-Museum befasst sie sich im Rahmen eines "Independent Projects" für ihr Masterstudium.
Das Museum in Radebeul beschäftigt sich mit der Person des Autors Karl May und der Welt seiner Bücher. Außerdem versucht es, diese romantischen Vorstellungen des Wilden Westens mit der Geschichte der indigenen Völker Nordamerikas zu verbinden.
Bis vor einem Jahr zeigte die Ausstellung mehrere Original-Skalps von Ureinwohnern Nordamerikas. Dann forderten die Ojibwe-Indianer aus dem US-Bundesstaat Michigan die Herausgabe ihres Skalps. Der Skalp war eines der Originale, die im Museum zu sehen waren.
Das Karl-May-Museum reagierte auf die Forderungen der Ojibwe, indem es die Skalps durch Nachbildungen aus Pferdehaar ersetzte. Herausgeben möchte es das Original jedoch bisher nicht.
Schneider hält das Vorgehen des Museums für problematisch. In einem Videointerview mit
Marburgnews.tv im Juli 2015 stellte sie die Frage: "Würden wir es wollen, dass menschliche Überreste unserer Vorväter irgendwo in Amerika ausgestellt und unser ganzes Volk als etwas dargestellt wird, was es eigentlich gar nicht ist?“ Eine Ausstellung, wie sie das Karl-May-Museum beabsichtigt, sollte nicht nur die eurozentrische Perspektive berücksichtigen, sondern auch die Sicht der "Natives". Ideal wäre eine Zusammenarbeit des Museums mit den verschiedenen Völkern, die es darzustellen versucht.
Eine romantisierte Darstellung indianischer Menschen und Kulturen sei angesichts des Völkermords an der indigenen Bevölkerung ethisch und moralisch
nicht tragbar, betonte Schneider. Viele von ihnen leiden noch heute unter den Folgen der Kolonialisierung, unter Rassismus und anderen Arten der Diskriminierung.
Jennifer Loll
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