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Andreas Fröhlich


Hörspiel ist wie Stummfilm, nur andersrum

25.01.2008 (sts)
Seine Stimme kennt jeder: Andreas Fröhlich ist einer der gefragtesten Hörspiel- und Synchronsprecher Deutschlands. Der 43-jährige Berliner war am Donnerstag (24. Januar) im Rahmen des Marburger Lesefests zu Gast im Cineplex-Kino.
Vor rund 200 Anwesenden berichtete Fröhlich von seinem Werdegang, zeigte Ausschnitte von der "Gollum“-Synchronisation für den Film "Herr der Ringe“ und las aus Patrick Süskinds "Die Geschichte von Herrn Sommer“.
Fröhlichs längste Hörspiel-Arbeit begann bereits 1979. Damals sprach er erstmals den Bob Andrews in der Hörspiel-Serie "Die drei Fragezeichen“. 2004 feierte er mit den "Detektiv-Kollegen“ Oliver Rohrbeck und Jens Wawrczeck das 25-jährige Jubiläum vor 12.000 Zuschauern in Hamburg.
"Drei-Fragezeichen“-Fachmann ist er indes nicht: "Ich höre mir die Folgen nie an. Die Spannung erschließt sich für mich nicht. Bei mir ist dann eher die Aufnahme-Situation im Studio im Kopf.“
Fröhlich ist aber auch die deutsche Synchronstimme der Hollywood-Schauspieler John Cusack, Edward Norton und Ethan Hawke. "Ich schätze sie als Schauspieler, habe sie aber nie persönlich kennengelernt. Das will ich auch gar nicht. Wenn sie mir unsympathisch wären, hätte ich ein Problem damit, sie zu sprechen“, gestand Fröhlich.
Die Film-Synchronisation ist auch längst nicht mehr seine Hauptbeschäftigung. Viel zu verdienen gebe es ohnehin nicht: "Wenn Cameron Diaz für 30 Millionen Dollar die Prinzessin Fiona in "Shrek" spricht, bekäme die deutsche Synchronsprecherin etwa 2.500 Euro.“
Daher ist Fröhlich mittlerweile verstärkt als Synchron-Regisseur und Dialogbuch-Autor tätig. Diese Aufgabe hat er zum Beispiel für die "Herr-der-Ringe“-Trilogie übernommen. Zudem spricht er Hörbücher ein und ist die Standard-Sprecherstimme für die Burger-King- und Deichmann Werbespots.
Eine Ausbildung hat er im Übrigen nie gemacht. Mit sechs Jahren wollten ihn seine Eltern in den Kinderchor des "Senders Freies Berlin“ (SFB) stecken. Allerdings konnte der kleine Andreas überhaupt nicht singen.
"Die haben mich dann in die Hörspielredaktion geschickt. Und da bin ich dann auch geblieben“, berichtete Fröhlich von den eher zufälligen Karriere-Anfängen.
Die Faszination des Hörspiels- oder -buchs bestehe letztlich darin, dass das Bild beim Hörer entstehe: "Es ist wie ein Stummfilm, nur andersherum.“
Eine Kostprobe dieses Könnens lieferte Fröhlich dann auch noch: Wie er die böse Klavierlehrerin Fräulein Funkel in Süskinds Erzählung intonierte, da zuckten schon die Finger der Zuschauer im Cineplex, bloß nicht wieder den falschen Ton anzuschlagen.
Stephan Sonntag
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