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BLEIB in Hessen


Bund stellt Förderung von Projekt für Flüchtlinge ein

20.06.2015 (fjh)
"BLEIB in Hessen" steht vor dem Aus. Beim letzten Treffen des Runden Tischs Integration für den Landkreis Marburg-Biedenkopf wurde bekannt, dass das erfolgreiche Projekt zur Arbeitsmarktintegration von Bleibeberechtigten und Flüchtlingen nicht mehr fortgesetzt werden soll. Der Kooperationsverbund mehrerer freier Träger und Vereine, der vom Mittelhessischen Bildungsverband in Marburg koordiniert wird, hatte gerade die entsprechende telefonische Nachricht aus dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) erhalten.
Kopfschütteln und großes Unverständnis für diese Entscheidung war die einhellige Reaktion aller Teilnehmer. Das wird eine große Lücke reißen, waren sich die Vertreterinnen und Vertreter der beruflichen Schulen, von Beratungsstellen, der Agentur für Arbeit und der Landkreis einig. Von BLEIB in Hessen wurden viele Flüchtlinge in Arbeit oder die bestehenden Systeme hineingeführt und dabei eng begleitet.
"Diese Lotsenfunktion wird fehlen", stellte der Erste Kreisbeigeordnete Marian Zachow fest. "Von allein finden viele Flüchtlinge nicht den Weg zu Arbeit, Ausbildung oder auch zunächst zum Sprachkurs."
Die rechtlichen Bestimmungen seien so kompliziert, dass selbst Fachleute in den Institutionen sich gerne den Rat der "Spezialisten für Flüchtlinge" holen. "BLEIB in Hessen kann uns dabei helfen, den Fachkräftebedarf unserer Unternehmen zu decken", ist sich Volker Breustedt von der Agentur für Arbeit in Marburg sicher.
Gerade in den Zeiten steigender Flüchtlingszahlen wird die Fortsetzung des Projekts als unbedingt notwendig betrachtet. Der Runde Tisch Integration appelliert deshalb an die Bundesregierung, die Finanzierung von "BLEIB in Hessen" fortzusetzen.
"BLEIB in Hessen" wird von einem Kooperationsverbund mehrerer freier Träger und Vereine seit 2010 umgesetzt. Mit dem Vorgängerprojekt "BLEIB in Mittelhessen" existiert es bereits seit 2008.. Unter den Trägerorganisationen sind auch die Praxis GmbH in Marburg und der Hessische Flüchtlingsrat in Frankfurt.
In den letzten vier Jahren wurden durch das Netzwerk circa 1.500 Flüchtlinge arbeitsmarktlich gefördert und beraten. Dabei wurden 25 Prozent in Arbeit und 50 Prozent in Sprachkurse vermittelt.
"BLEIB in Hessen" ist ein zentraler Schnittpunkt zwischen Arbeitsmarkt, KreisJobCenter (KJC) und Agentur für Arbeit mit den Fördermöglichkeiten auf der einen Seite und den Flüchtlingen auf der anderen. Eine individuelle und intensive Begleitung ist für viele Flüchtlinge notwendig, um den komplizierten Weg in Arbeit oder Ausbildung zu finden. Waren zunächst Flüchtlinge mit langer Aufenthaltsdauer und rechtlichen Einschränkungen im Zugang zum Arbeitsmarkt die zentrale Zielgruppe des Projekts, wurden durch die steigenden Flüchtlingszahlen in den letzten zwei Jahren zunehmend auch jüngere Flüchtlinge mit kürzerer Aufenthaltsdauer von den Mitarbeitern des Projekts beraten und begleitet.
Die Finanzierung des Projekts über das Bundesministerium für Arbeit und Soziales aus dem "ESF-Bundesprogramm zur arbeitsmarktlichen Unterstützung für Bleibeberechtigte und Flüchtlinge mit Zugang zum Arbeitsmarkt" läuft am 30. Juni 2015 aus. "BLEIB in Hessen" hatte sich für das Folgeprogramm ab 1. Juli 2015 beworben, nun aber eine Absage erhalten.
pm: Landkreis Marburg-Biedenkopf
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