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Dauerhafte Erleichterung


Behandlungsansatz macht Leukämie-Patienten medikamentenfrei

05.06.2015 (fjh)
Ein neuer Behandlungsansatz bei chronischer myeloischer Leukämie (CML) erlaubt vielen Betroffenen, ihre Medikamente dauerhaft abzusetzen. Das berichten Krebsforscher um Prof. Dr. Andreas Burchert von der Philipps-Universität und Prof. Dr. Andreas Hochhaus vom Universitätsklinikum Jena. Das Team veröffentlicht seine Ergebnisse in der Juni-Ausgabe der Fachzeitschrift "Leukemia".
"Leukämie betrifft in Deutschland eine zunehmende Zahl von Menschen", erklärte Mitverfasser Prof. Dr. Andreas Neubauer, der den Schwerpunkt Hämatologie, Onkologie und Immunologie an der Philipps-Universität Marburg leitet. Leukämie (Blutkrebs) ist eine Störung der Blutbildung, bei der sich weiße Blutkörperchen unkontrolliert vermehren. Die Krankheit verläuft tödlich, wenn sie nicht behandelt wird.
Das Arzneimittel "Imatinib" ist das Standardpräparat gegen chronische myeloische Leukämie. Es hemmt die Aktivität des krebsauslösenden Gens BCR-ABL, woraufhin die Krebszellen ein Zelltodprogramm anschalten, so dass sie absterben. Das bewirkt eine deutliche Verbesserung der Therapieergebnisse bei dieser Unterform der Leukämie.
"Die Gefahr bei Imatinib besteht allerdings darin, dass trotz der Behandlung immer einige Leukämiezellen übrig bleiben, weil sie gegen das Medikament resistent sind oder im Verlauf der Behandlung eine Resistenz entwickeln", führte Erstautor Burchert aus. Um das zu vermeiden, erprobten die Forscher in der aktuellen Studie eine neue Therapie, bei der sie neben Imatinib auch das körpereigene Hormon "Interferon" einsetzten.
"Interferon aktiviert das Immunsystem und kontrolliert dadurch Leukämiezellen, die gegen Imatinib resistent sind", erläuterte Hochhaus. Das Team behandelte 20 Patientinnen und Patienten mit Imatinib in Kombination mit Interferon.
Burchert und Hochhaus beobachteten, dass viele Patienten krankheitsfrei blieben, obwohl sie Imatinib absetzen mussten und weiter ausschließlich Interferon erhielten. Selbst nach bis zu zwölf Jahren seit Diagnosestellung blieben mehr als 70 Prozent der Patienten rückfallfrei. Fast die Hälfte der Patienten konnte später auch Interferon absetzen und lebt ohne jede Therapie seit bis zu fünf Jahren rückfall- und beschwerdefrei.
Die Autoren schlussfolgern, dass eine Kombinationstherapie von Imatinib und Interferon es den meisten Patienten ermöglichen könnte, komplett therapiefrei zu werden. Die Frage, ob dieses neuartige Behandlungskonzept die Zahl derjenigen Patienten erhöhen kann, die dauerhaft ohne Medikamente auskommen, steht derzeit im Fokus der bundesweiten klinischen Studie "TIGER".
Sie wird durch das Uni-Klinikum Jena koordiniert und findet in über 100 Behandlungszentren bundesweit statt. Unter anderem zählen dazu auch Marburg und Mannheim.
Die aktuelle Veröffentlichung geht aus einer Klinischen Forschergruppe der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) an der Philipps-Universität hervor, die sich mit Resistenzen gegenüber Krebsmedikamenten befasst. Die zugrundeliegende wissenschaftliche Arbeit wurde außerdem durch die "Deutsche José-Carreras-Leukämiestiftung" und das Universitätsklinikum Gießen und Marburg (UKGM) gefördert sowie durch das pharmazeutische Unternehmen Roche unterstützt.
pm: Philipps-Universität Marburg
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