Logo: marburgnewsMobile Marburgnews

Zum Menü

Zwei Anbieter


Stadt weitet Behindertenfahrdienst aus

01.06.2015 (fjh)
Ihren Behindertenfahrdienst weitet die Universitätsstadt Marburg aufgrund der großen Nachfrage aus. Ab sofort stehen zwei Anbieter zur Auswahl und damit mehr Kapazitäten zur Verfügung. Nachdem die ASU Auto Service UG (ehemals UniCare) bereits über 16 Jahre zuverlässig im Einsatz ist, kommt nun mit Aktivcar eine weitere Firma hinzu.
"Für mich ist der Behindertenfahrdienst ganz klar eine Pflicht, denn wir wollen eine inklusive Stadt", betonte Oberbürgermeister Egon Vaupel. "Und wir wollen Barrierefreiheit schaffen."
Marburgs Stadtoberhaupt verwies darauf, dass der Anteil von Menschen mit Behinderung in Marburg bei sieben Prozent liegt. Umso weniger sei verständlich, warum die Landesregierung in Bezug auf den kommunalen Finanzausgleich Leistungen wie den Behindertenfahrdienst als freiwillig einstuft und damit deren Finanzierung als verzichtbar erkläre. "Wir bieten also in Marburg etwas, das an anderer Stelle längst nicht selbstverständlich ist, für das wir hier aber aus Überzeugung zu 100 Prozent geradestehen", sagte der Oberbürgermeister.
Das Angebot mit der neuen Wahlmöglichkeit stellte er gemeinsam mit den Unternehmen, Vertretern der AG Behindertenfahrdienst des Behindertenbeirats und mit Kerstin Hühnlein vom Fachdienst für Soziale Leistungen im Rathaus vor. Die Stadt Marburg hatte den Fahrdienst im Frühjahr 2015 neu ausgeschrieben.
Allein im Jahr 2014 haben 255 Marburgerinnen und Marburger das Angebot für 4.700 Fahrten genutzt. Der Fahrdienst bedient auch in Zukunft Marburg mit allen Stadtteilen. Künftig kommt noch der Kernort Cölbe als Einzugsgebiet hinzu.
Auch darüber hinausgehende Fahrten sind möglich, wenn die Nutzer die Kosten ab der Stadtgrenze selbst übernehmen.Es gelte, als Region zu denken, erklärte Vaupel.
Der Behindertenfahrdienst war 1981 auf Initiative von betroffenen Menschen durch die Stadt Marburg offiziell eingerichtet worden, um auch schwer gehbehinderten Menschen, die den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) nicht nutzen können, die gleichberechtigte Teilhabe am Leben in der Gesellschaft zu ermöglichen. Ob es nun um den Besuch von Bekannten, Kino, Theater, Vereinen oder um andere Aktivitäten wie wichtige Besorgungen des Alltags oder Behördengänge geht: Der Service der Stadt sorgt für Unterstützung.
Dabei wiesen Vertreter der Initiativgruppe behindertenfreundliches Marburg von Beginn an darauf hin, dass die behindertengerechte Ausstattung aller öffentlichen Verkehrsmittel dennoch Ziel bleibt. Bis zur vollständigen Barrierefreiheit für alle Bürger könne es jedoch Schritt für Schritt noch bis in die 2020er Jahre dauern.
"Der Behindertenfahrdienst gibt mir die Möglichkeit, relativ unabhängig zu sein; nicht jedes Mal meinen Mann fragen zu müssen, wenn ich etwas erledigen will", betonte Renate Neuhaus von der AG des Behindertenbeirats. Wie ihr Mitstreiter Ottmar Amm hob sie hervor, dass sich der Fahrdienst für sie als Rollstuhlfahrerin auch dadurch von Taxen unterscheide, dass die Fahrer den Nutzern von der Wohnung bis zur Ankunft zur Seite stehen.
"Dafür brauchen wir Partner, die sich ihrer Aufgabe bewusst sind; und die haben wir gefunden", betonte Vaupel. "Wir wissen nach rund 50.000 Beförderungen, was sensible Mobilität bedeutet", erläuterte Geschäftsführer Lothar Enters von derASU Auto Service UG. "Es geht darum, richtig zu begleiten, sich aber auch zurückzuhalten, wo das nicht gefordert ist."
Auch Sharafoden Sheva, Inhaber des neuen Anbieters Aktivcar, hat bei ASU seine Erfahrungen gesammelt und steigt jetzt mit eigener Firma ein. Beide versicherten, dass sie für einen "Wettbewerb im Sinne der Nutzer" stehen.
Menschen mit Behinderungen können bis zu zwölf Einzelfahrten innerhalb eines Monats in Anspruch nehmen. Wer ein Auto im Haushalt zur Verfügung hat, das er selbst oder seine Assistenz fahren kann, erhält vier Fahrscheine im Monat. Bei längerfristigen Notfällen können aber nach Absprache auch hier weitere Fahrscheine zur Verfügung gestellt werden.
Voraussetzung zur Teilnahme am Behindertenfahrdienst ist ein Schwerbehindertenausweis mit dem Merkzeichen "aG"“ für eine "außergewöhnliche Gehbehinderung". Weil sich mit der Umstellung die Zahl der Fahrten erhöhe, im Laufe der Jahre die Betriebskosten gestiegen sind und selbstverständlich Mindestlohn gezahlt wird, liegt die Eigenbeteiligung für das neue Angebot nun bei 2,50 statt bei bisher 1,50 Euro. Von diesem Anteil befreit sind jedoch alle Personen, die Hilfe zum Lebensunterhalt, Taschengeld in stationären Einrichtungen oder eine Rente erhalten, die diesen Sätzen entspricht.
Wie Hühnlein für die Stadt Marburg erklärte, stehen sowohl Personenkraftwagen als auch Sonderfahrzeuge zur Verfügung. Fahrten zu Ärztinnen und Ärzten sowie zu Rehabilitationsmaßnahmen, zur Tagespflege und berufsbezogene Fahrten sind vom Behindertenfahrdienst ausgenommen, da dafür andere Kostenträger zuständig sind.
pm: Stadt Marburg
Text 10547 groß anzeigen

www.marburgnews.de

© 2015 by fjh-Journalistenbüro, D-35037 Marburg