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Flucht aus Verantwortung


DGB kritisiert zum 1. Mai prekäre Arbeitsbedingungen

24.04.2015 (fjh)
Bodo Ramelow ist der Hauptredner bei den Veranstaltungen des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) zum 1. Mai in Marburg. Der thüringische Ministerpräsident und ehemalige Marburger HBV-Gewerkschaftssekretär wird bei der Abschlusskundgebung am Freitag (1. Mai) auf dem Elisabeth-Blochmann-Platz sprechen.
Gewerkschaftssekretär Dr. Ulf Immelt und der Marburger DGB-Kreisvorsitzende Pit Metz stellten am Freitag (24. April) die Aktivitäten des DGB zur Maifeier in Marburg vor. Darüber hinaus nahmen die beiden Gewerkschafter Stellung zu aktuellen sozialpolitischen und gewerkschaftlichen Themen.
"Ein fünftel der Beschäftigten in Hessen arbeitet im Niedriglohnbereich", stellte Immelt fest. Für Metz ist der hohe Anteil prekärer Beschäftigung in einem reichen Land wie Deutschland ein Skandal. Dagegen wende sich der DGB seit Jahren mit der Forderung nach guter Arbeit und gutem Lohn.
Mit dem Mindestlohn habe die Gewerkschaftsbewegung hier einen Etappensieg erzielt, meinte Metz. Allerdings gebe es viele Berichte, wie Arbeitgeber die Regelungen zu unterlaufen versuchten. Zudem kritisierte er auch die Ausnahmeregelungen beispielsweise für Jugendliche unter 18 jahren, die ihm unverständlich sind.
Immer noch gebe es im Landkreis Marburg-Biedenkopf rund 3.000 "Aufstocker", die von ihrem Arbeitsentgelt nicht leben können, berichtete Immelt. Die Höhe des Mindestlohns von 8,50 Euro ist für Metz deswegen nur ein Einstieg.
Notwendig sei aber auch die internationale Solidarität, betonte er. Nicht zufriedenstellend sei, wenn Beschäftigte in Spanien oder Griechenland unter unwürdigen Bedingungen existieren müssten.
All diese Themen möchte der DGB bei den Maiveranstaltungen ansprechen. Zudem werden aber auch betroffene aus Betrieben von aktuellen Arbeitskämpfen berichten. So soll bei der Abschlusskundgebung auch jemand von der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft ver.di über die Streiks der Erzieherinnen und Erzieher für ihre Einstufung in eine höhere Lohngruppe berichten.
Losgehen wird der Maiumzug um 11 Uhr vor dem DGB-Büro im Postgebäude an der Bahnhofstraße. Bei einer Zwischenkundgebung auf dem Marktplatz wird der Erste Kreisbeigeordnete Marian Zachow ein Grußwort sprechen. Als einziger Kandidat bewirbt sich Zachow für den Landesvorsitz der Arbeitnehmerschaft in der CDU Hessen.
Bei der Abschlusskundgebung auf dem Elisabeth-Blochmann-Platz wird dann auch Oberbürgermeister Egon Vaupel die Anwesenden begrüßen. Neben weiteren Reden zu akeuellen Arbeitskämpfen wird es auch ein Kulturprogramm geben.
Kultur steht auch bereits am Vorabend auf dem Programm. Bei der traditionellen Vormaifeier der DGB-Senioren wird der Gewerkschaftschor "Politöne" am Donnerstag (30. April) um 18 Uhr in der Turnhalle der Deutschen Blindenstudienanstalt (BliStA) Am Schlag auftreten. Natürlich wird es auch dabei politisch und gewerkschaftlich zugehen.
Insgesamt sehen Immelt und Metz die Marburger Gewerkschaften wieder im Aufwind. Der Zuspruch zu den Veranstaltungen zum 1. Mai habe in den letzten Jahren stets zugenommen, meinte Immelt.
Diskussionen über den Streik der nicht im DGB organisierten Gewerkschaft deutscher Lokomotivführer (GdL) sieht Metz gelassen. Einerseits müsse sich die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) im DGB durchaus fragen, "was sie falsch gemacht hat, damit die GdL so groß werden konnte", andererseits sei die Zersplitterung der Gewerkschaften ein gewolltes Ergebnis neoliberaler Politik, das auf längere Sicht durch eine bessere Kooperation aller Gewerkschaften überwunden werden müsse. Die Aushebelung der Tarifautonomie durch das geplante "Tarifeinheitsgesetz", das nur der jeweils größten Gewerkschaft im Betrieb das Recht zu Tarifverhandlungen zubilligen will, sei jedenfalls nicht die richtige Antwort.
Franz-Josef Hanke
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