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Vier Tage Treffen


1.200 Mikrobiologen tagen in Marburg

28.02.2015 (fjh)
Vier Tage lang ist die Philipps-Universität Gastgeber für 1.200 Wissenschaftler. Von Sonntag (1. März) bis Mittwoch (4. März) kommen sie zur 30. Jahrestagung der "Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie" (VAAM) nach Marburg. Die Mikrobiologen diskutieren über die aktuelle Forschung zu Themen wie mikrobielle Evolution, bakterielle Zellbiologie und synthetische Mikrobiologie.
Die VAAM ist mit etwa 3.600 Mitgliedern die größte mikrobiologische Fachgesellschaft in Deutschland. Nach den Großräumen Berlin und München ist Marburg der drittgrößte Standort im Hinblick auf die Mitgliederzahl.
Diese Tatsache verdeutlicht die national und international sichtbaren Forschungs- und Lehrleistungen auf dem Gebiet der Mikrobiologie an der Philipps-Universität, dem lokalen Max-Planck-Institut für terrestrische Mikrobiologie (MPI) und dem LOEWE-Zentrum für Synthetische Mikrobiologie. Die Arbeit der VAAM zeichnet sich besonders durch ihre Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses aus.
Für die Tagung wurde ein Panel von national und international angesehenen Hauptsprechern gewonnen. In 700 Poster-Beiträgen und Kurzvorträgen wird – vor allem durch den wissenschaftlichen Nachwuchs – die volle Breite aktueller Forschungsaktivitäten in Deutschland im Fachgebiet Mikrobiologie repräsentiert sein.
Zu den Höhepunkten zählt der einleitende Vortrag von Prof. Dr. Johannes Krause vom Institut für Naturwissenschaftliche Archäologie an der Universität Tübingen. Er befasst sich unter anderem mit der genetischen Analyse von "fossilen" Mikroorganismen wie mit den Erregern der Pest- und Lepra-Epidemien, die im Mittelalter grassierten. Aus den Erkenntnissen zieht er Schlussfolgerungen für den Verlauf gegenwärtiger Infektionskrankheiten.
Auf der Tagung wird die "Mikrobe des Jahres" vorgestellt. Das in Pflanzenwurzeln lebende Knöllchenbakterium (Rhizobium) liefert den Pflanzen das wachstumsfördernde Ammonium und erleichtert damit den Anbau von Bohnen, Erbsen, Linsen und Futtermitteln wie zum Beispiel Klee.
Der mit 10.000 Euro dotierte Forschungspreis der VAAM geht in diesem Jahr an Prof. Dr. Melanie Blokesch von der École Polytechnique Fédérale im schweizerischen Lausanne für ihre herausragenden Forschungsarbeiten zu Cholerabakterien. Sie hat herausgefunden, wie diese Bakterien in der Umwelt leben und wie der Erreger Vibrio cholerae durch die Aufnahme fremder genetischer Informationen sein krankmachendes Potenzial erhöht.
Dem Geheimnis des Lebens widmet sich der Wissenschaftskabarettist Vince Ebert, der auf der Tagung einen Auszug aus seinem Programm "Evolution" präsentiert. Auf unterhaltsame Weise erklärt er, welche Bedeutung Mikroorganismen für das menschliche Leben haben.
"Als Tagungspräsident bin ich sehr stolz, dass etwa 1.200 Mikrobiologinnen und Mikrobiologen nach Marburg kommen", erklärte der Bakteriengenetiker Prof. Dr. Erhard Bremer. "Diese Jahrestagung ist für die VAAM etwas Besonders, da wir hier in Marburg das 30-jährige Bestehen der Vereinigung feiern können."
Marburg ist seit langer Zeit ein weltweit bedeutender Standort für Mikrobiologie. Seit der Gründung des Hygiene-Instituts an der Philipps-Universität im Jahr 1885 war diese Forschung hier herausragend.
Rolf Thauer war ab 1976 Inhaber der ersten Professur für Allgemeine Mikrobiologie am Fachbereich Biologie. In der Folgezeit kamen weitere Professuren hinzu zum Beispiel in den Bereichen Molekulare Mikrobiologie, Zelluläre Mikrobiologie, Mikrobielle Biochemie und Mikrobielle Genetik.
Meilensteine in der Entwicklung der Marburger Mikrobiologie waren die Einrichtung des Max-Planck-Instituts für terrestrische Mikrobiologie 1991 und des LOEWE-Zentrums für Synthetische Mikrobiologie im Jahr 2010. Heute forschen 40 Arbeitsgruppen aus den Fachbereichen Biologie, Chemie, Pharmazie, Medizin, Mathematik und Physik an der Philipps-Universität zu Mikrobiologie-Themen.
"Mikroorganismen sind allgegenwärtig und Meister des Wandels", sagte Bremer über die Bedeutung des Forschungsgebiets. "Sie sind von zentraler Bedeutung für die Weiterentwicklung des Lebens und auch entscheidend am globalen Ökosystem beteiligt."
pm: Philipps-Universität Marburg
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