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Bänder für Deportierte im Hauptbahnhof

28.01.2015 (mok)
Vier Gedenkbänder für Opfer des Holocausts wurden am Dienstag (27. Januar) im Hauptbahnhof enthüllt. Sie erinnern an die 349 Menschen, die von dort aus in der Zeit des Nationalsozialismus deportiert wurden.
Die Stadtverordnetenversammlung (StVV) hatte 2010 den Beschluss gefasst, dass im Rahmen des Bahnhofsumbaus eine Gedenktafel angebracht werden sollte. "Es wurde sehr schnell klar, dass eine Tafel dem Grauen der insgesamt vier Deportationen nicht gerecht werden kann", sagte Stadträtin Dr. Kerstin Weinbach.
Der Arbeitskreis "Gedenken am Marburger Hauptbahnhof" habe eine stimmige Lösung erarbeitet. Gemeinsam mit der Marburger Geschichtswerkstatt, der Jüdischen Gemeinde Marburg und dem Verband Deutscher Sinti und Roma hat der Fachdienst Kultur der Universitätsstadt Marburg in enger Kooperation mit der Deutschen Bahn AG (DBAG) die inhaltliche und künstlerische Ausgestaltung der vier Metallbänder entwickelt, die für die vier Deportationen stehen, die von Marburg ausgingen.
Sie sind nun entlang der Treppengeländer angebracht, die zu den Gleisen führen, von denen die Züge mit den Deportierten abfuhren. Im Gegensatz zu einer Gedenkplakette bieten sie Raum genug, so dass Name und Alter jedes einzelnen Deportierten Platz finden.
Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Amnon Orbach betete auf Hebräisch für die sechs Millionen Juden, die im Nationalsozialismus ermordet wurden. Der Vorsitzende des Verbands Deutscher Sinti und Roma Hessen Romano Strauß erinnerte sehr bewegt an die Mitglieder seiner Familie, die in Cölbe lebten und vom Marburger Hauptbahnhof aus in die Vernichtungslager gebracht wurden.
Insgesamt 349 Menschen wurden vom Hauptbahnhof aus in die Vernichtungslager deportiert. Für die meisten von ihnen endete das mit dem Tod. Am 6. September 1942 fand vom Gleis 5 aus die letzte Deportation jüdischer Bürger statt.
Am 23. März 1943 wurden zahlreiche Sinti aus Marburg und Umgebung deportiert. Der Marburger Schauspieler Nisse Kreysing verlas die Namen und das Alter von allen 349 Deportierten und ließ so für einen Moment die Einzelschicksale spürbar werden.
Deportiert wurden Großfamilien, Kleinkinder, alte Menschen. An diese Einzelschicksale erinnern künftig dauerhaft die vier Gedenkbänder.
"Es ist wichtig, dass Opfer nicht anonym bleiben, sondern Namen und Gesichter bekommen", betonte Brigitte Kettner von der Marburger Geschichtswerkstatt. "Wir gehen entlang der Gedenkbänder einen Moment mit den Deportierten; sie gehen einen Moment mit uns."
pm: Stadt Marburg
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