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Zum In-die-Luft-Gehen


Kahles Herz hängt an einer Seilbahn

06.12.2014 (fjh)
Hochfliegende Pläne hat Dr. Franz Kahle. Dem Bürgermeister schwebt eine Seilbahn von der Uferstraße zum Universitätsklinikum auf den Lahnbergen vor. Aber vielleicht sollte der Grünen-Politiker doch besser am Boden bleiben.
Rund 250 Interessierte waren am Dienstag (2. Dezember) zu einer öffentlichen Veranstaltung im Universitätsklinikum Gießen und Marburg (UKGM) auf den Lahnbergen gekommen. Über die Machbarkeit einer Seilbahn referirte Arno Schweiger vom Ingenieurbüro Schweiger aus Sonthofen, der bereits an einigen Seilbahnprojekten beteiligt war. Erwartungsgemäß sprach er sich dann auch für das Vorhaben aus.
Heftige Kritik hingegen erntete das Projekt von zahlreichen Anwohnern. Sie fürchten um den Wert ihrer Grundstücke und ihre Ruhe.
Dagegen jubelt die Universitätsstadt Marburg ihre unsinnige Idee weiterhin hoch. Die Seilbahn preist sie als Lösung der Verkehrsprobleme auf den Lahnbergen.
Jahrzehntelang wurden dort Kliniken und Institute der Philipps-Universität angesiedelt. Um die nötige Verkehrsanbindung indes hat sich niemand ernsthaft gekümmert.
Gelenkbusse der Ringlinie 7 befördern derzeit Studierende, Wissenschaftler, Ärzte und Pflegepersonal ebenso wie Krankenhausbesucher von zwei Seiten her über die steile und glättegefährdete Panoramastraße sowie die ebenso steile Großseelheimer Straße auf die Lahnberge. Immer dichtere Taktfolgen können der Fahrgastströme aber kaum Herr werden.
So hängt Kahles Herz nun an der Seilbahn. Von ihr erhofft er sich das problemlose Hinaufbeamen der Passagiere auf die Lahnberge im Eineinhalb-Minuten-Takt.
Was indes bei einer Betriebsstörung geschähe, das will lieber keiner wissen: Mit Drehleitern oder Hubschraubern müsste man die bis zu 30 Gäste der betroffenen Gondel dann abseilen. Wer da in luftiger Höhe hängenbleibt, dem drohen unvergessliche Abenteuer oder der stressige Herzinfarkt.
Ein massentaugliches Verkehrsmittel für den Berufsverkehr und Alltagsbetrieb ist eine Seilbahn nicht. In Dresden hängt die Bedienung des "Weißen Hirschs" häufig in der Luft, weil die Seilbahn gewartet und deshalb abgestellt wird. Seilbahnen sind eher Gimmics für Touristen und Spielzeuge für realitätsferne Kommunalpolitiker.
Anders verhält es sich mit dem geplanten Schräglift von der Wasserscheide zum Schloss. Diese Verkehrsanbindung ist sehr sinnvoll und auch witterungsresistent.
Die Sardinenbüchse am Draht hingegen ist eine fixe Idee, die die Verantwortlichen ganz fix wieder begraben sollten. Gegen den Widerstand größerer Bevölkerungsteile ist ein derartiges Projekt in einer Universitätsstadt wie Marburg ohnehin kaum durchsetzbar. Wenn die SPD den nächsten Oberbürgermeister stellen möchte, dannn sollte sie dieser Schnapsidee keinen weiteren Euro mehr widmen.
Franz-Josef Hanke
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